Der Tod in Schopenhauers Lebensphilosophie

Tod und Lebensphilosophie sind zwei Begriffe, die, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, nicht zusammen passen. Da jedoch Tod und Leben zwei Seiten der selben Medaille sind, kann es keine Lebensphilosophie geben, die den Tod ausklammert. Gerade in der  Lebensphilosophie Schopenhauers findet man immer wieder tiefsinnige, sehr trostreiche Betrachtungen über den Tod. Diesem für alle Lebewesen „todsicheren“ Ereignis hat Arthur Schopenhauer in seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ (Band II) ein eigenes Kapitel (41) gewidmet. Es heißt: „Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unsers Wesens an sich.“

„Der Tod“, so beginnt dieses Kapitel, „ist der eigentliche inspirierende Genius … der Philosophie… Schwerlich sogar würde, auch ohne den Tod, philosophiert werden.“  Natürlich gibt es auch Philosophen, bei denen das Thema Tod nur am Rande eine Rolle spielt. Es sind wohl vor allem jene, die Schopenhauer als „Spaßphilosophen“ abgetan hat und mit denen man sich vielleicht beschäftigt, um sein Bildungswissen zu erweitern. Wenn es dann aber wirklich um Leben und Tod geht, werden solche Philosophen bedeutungslos. Hingegen völlig anders Schopenhauer: 

Generationen von Lesern, insbesondere wenn sie durch Alter oder Krankheit den Tod vor Augen hatten, fanden in der Lebensphilosophie Schopenhauers, vor allem aber in dem genannten Kapitel über den Tod, Erleichterung während der letzten Zeit ihres Lebens. So berichtete Arthur Hübscher in seiner Autobiographie „Leben mit Schopenhauer“ über den Tod seines Vaters: „Es geschah, als mein Vater gestorben war und ich auf seinem Nachttisch den zweiten Band der ´Welt als Wille und Vorstellung` liegen sah. Ein Lesezeichen wies darauf hin, wo er eingehalten hatte, mitten in dem Kapitel ´Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unsers Lebens an sich`. Ich wollte wissen, was ihm diese Kapitel in seinen letzten Tagen gesagt hatte, ich las und las, und dieses Lesen, das verwirrte, aus dumpfem Schmerz gelöst Fragen nach einem mir noch verborgenen Sinn ging eine unlösbare Bindung mit dem Gelesenen ein.“

Wie diese Schilderung zeigt, haben Schopenhauers Worte über den Tod nicht nur Bedeutung für die, welche am Ende ihres Lebens sind, sondern für auch für jene, die mitten Leben stehen. Es geht hier eben um eine Lebensphilosophie. Ich hoffe, dieses wird in den dazu folgenden Beiträgen und Schopenhauer-Zitaten noch deutlicher werden.

Weiteres zu Arthur Schopenhauer  > www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de

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2 Gedanken zu “Der Tod in Schopenhauers Lebensphilosophie

  1. Es ist der Tod, der wie ein Stern
    Unverhofft vom Himmel fällt
    Und irgendwo am Horizont
    Lautlos im Meer versinkt.

    Und wenn er kommt, hab‘ keine Angst
    Jedes Ende ist ein Neuanfang
    Um zu sterben, leben wir ein Leben lang
    Alles ist eins und gehört zusamm‘

    Unsere Zeit ist immerzu
    Nur auf der Flucht vor uns
    Irgendwann hol’n wir sie ein
    Das wird unser Ende sein

    Und wenn es kommt, hab‘ keine Angst
    Es ist nur ein Neuanfang
    Was wäre ein Leben ohne Tod
    Was wär‘ die Sonne ohne Mond

    Das Leben und der Tod sind ein Liebespaar
    Was wäre der Tag ohne Nacht
    Alles ist eins und gehört zusamm‘
    Es gibt immer wieder einen Neuanfang

    (Die Toten Hosen – Alles ist eins)

    Soviel mal nur zum Thema LEBENSphilosophie und Gedanken über den Tod würden nicht zusammenpassen. Wer das denkt, ist wohl wirklich nur „Spaßphilosoph“…

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    1. Danke! Der Text von den „Toten Hosen“ war mir noch nicht bekannt. Es gehört heute zur LEBENSphilosophie vieler Leute , den Tod zu verdrängen. Die sind dann mit „Spaßphilosophen“ besser bedient als mit Schopenhauer. Hinzu kommen die vielen „Philosophen“, die nicht f ü r , sondern v o n der Philosophie leben. Auch die müssen das Thema „Tod“ vermeiden, denn das wäre nicht gut für ihre „Wellness“-Seminare.

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