Zu Schopenhauers Philosophie : Dschuang Dsi ( Taoismus )

 Weisheiten des Dschuang Dsi (taoistischer Mystiker, China, 4. Jh. v. u. Ztr).:

Wie kann ich wissen, dass die Liebe zum Leben nicht Betörung ist? Wie kann ich wissen, dass der, der den Tod haßt, nicht jenem Knaben gleicht, der sich verirrt hatte und nicht wusste, dass er auf dem Weg nach Hause war? … Wie kann ich wissen, ob die Toten nicht ihren früheren Kampf ums Dasein bereuen?

…Dschuang Dsi  lag im Sterben, und seine Jünger wollten ihn prächtig bestatten. Dschuang Dsi sprach: Himmel und Erde sind mein Sarg. Sonne und Mond leuchten mir als Totenlampen,   die Sterne sind meine Perlen und Edelsteine,   und die ganze Schöpfung gibt mir das Trauergeleite. So habe ich doch ein prächtiges Begräbnis! Was wollt ihr da noch hinzufügen? Die Jünger sprachen: Wir fürchten, die Krähen möchten den Meister fressen. Dschuang Dsi sprach: Unbeerdigt diene ich Krähen zur Nahrung, beerdigt den Würmern. Den einen es nehmen, um es den anderen zu geben: warum so parteiisch sein?

Die obigen Zitate sind Übersetzungen von Richard Wilhelm („Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“). Dazu schrieb Wilhelm über Dschuang Dsi: “ Er ist ein Glied in der großen Kette, die im westlichen Denken durch die Namen Heraklit, Bruno, Spinoza, Goethe, Schelling, Schopenhauer, Schleiermacher bezeichnet wird. Aber seine eigentliche Bedeutung beruht nicht allein darauf, dass er eine Weltanschauung vermittelt – im Gegenteil, er will gerade die Weltanschauungen zur Ruhe bringen – sondern darin, dass er zu dem zentralen Erlebnis führen will, das jenseits des Denkens  liegt und von der Wissenschaft nur unvollkommen erfasst wird. Das ist die Ruhe im SINN… Dieses Erlebnis kann nur andeutungsweise umgrenzt werden; jeder begriffliche Ausdruck zerbricht notwendig bei der Anwendung selbst. Auch der SINN oder das TAO ist nur eine derartige Notbrücke –  Ausdruck für Unausdrückbares -, denn dieses Erlebnis ist eben reine Innerlichkeit.“

Dschuang Dsi (chines.  Chuang-tzu) gilt neben Lao Tse als Begründer des philosophischen Taoismus, einer Weisheitslehre, die zu eine der Quellen des späteren ZEN – Buddhismus wurde.  Wenn ich  Dschuang Dsi lese, kommt immer wieder Arthur Schopenhauer in den Sinn, immer wieder begegnen mir dann Gedanken, die ich von Schopenhauer kenne, wenngleich in anderer Verkleidung.  Dschuang Dsi und Schopenhauer trennen zwar  Jahrtausende und völlig unterschiedliche Kulturen, aber dennoch sind sie, jedenfalls nach meinem Verständnis, Geistesverwandte. Es ist wohl die Mystik, die – egal, wann, wo und wie sie zum Ausdruck kommt –  über trennende Worte hinweg zutiefst verbindet. hb

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2 Gedanken zu “Zu Schopenhauers Philosophie : Dschuang Dsi ( Taoismus )

  1. Wie war der letzte Satz deines Beitrages ist, verdeutlicht die Tatsache, dass ich diese Aussage mit den Vögeln oder den Würmern, die einen fressen, aus der Richtung der Indianer Amerikas kenne.

    Uns Menschen verbindet im Grunde genommen viel mehr, als uns trennt, die „Basics“ bleiben doch die selben. Und die sind ja auch das Wichtigste.

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