Friedrich Nietzsche : Arthur Schopenhauer

Friedrich Nietzsche in seinem Essay “ Schopenhauer als Erzieher „: Ich gehöre zu den Lesern Schopenhauers, welche, nachdem sie die erste Seite von ihm gelesen haben, mit Bestimmtheit wissen, daß sie alle Seiten lesen und jedes Wort hören werden, das er überhaupt gesagt hat. Mein Vertrauen zu ihm war sofort da und ist jetzt noch dasselbe wie vor neun Jahren. Ich verstand ihn, als ob er für mich geschrieben hätte…

Welche Bedeutung  Arthur Schopenhauer und seine Philosophie für Friedrich Nietzsche hatte, wird deutlich, wenn man zum Stichwort “ Schopenhauer “ das von Richard Oehler zusammengestellte “ Nietzsche – Register “ aufschlägt. Dort sind derart viele Eintragungen zu Schopenhauer zu finden wie kaum zu einem anderen Namen. An Schopenhauer hatte sich Nietzsche offensichtlich, jedenfalls solange er noch hinreichend geistig gesund  war, „abgearbeitet“.

Nietzsche wußte, dass Schopenhauer Wahrheiten aussprach, die durchaus nicht populär sind, ja auch nicht sein können. Denn, so Laotse im Tao te king: Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr.

Ganz in diesem Sinne schloss Nietzsche sein Essay über Schopenhauer mit den Worten: … die Liebe zur Wahrheit ( ist) etwas Furchtbares und Gewaltiges … Dies und jenes bewies Schopenhauer – und wird es von Tag zu Tag mehr beweisen.

Eine dieser Wahrheiten, für die Nietzsches Wort gilt – Wer möchte nicht ganz anderer Meinung sein als Schopenhauer, im ganzen und großen – ist Schopenhauers Erkenntnis von der Unfreiheit des Willens. Kaum eine andere Aussage Schopenhauers ist derart umstritten und wird mit solcher Entschiedenheit abgelehnt wie diese. Jedoch über Wahrheiten kann nicht demokratisch, gewissermaßen per Volksabstimmung, entschieden werden. Die Wahrheit  muß von jedem Einzelnen selbst gefunden werden, wobei der sogenannte „gesunde Menschenverstand“ durchaus irren kann. Was es mit der  vermeintlichen „Willensfreiheit“  auf sich hat, brachte Nietzsche sehr anschaulich zum Ausdruck:

Was ist Wollen! – Wir lachen über den, welcher aus seiner Kammer tritt, in der Minute, da die Sonne aus der ihren tritt, und sagt: `Ich will, daß die Sonne aufgehe` und über den, welcher ein Rad nicht aufhalten kann und sagt: ´ich will, daß es rolle`und über den, welcher im Ringkampf niedergeworfen wird und sagt: `hier liege ich, aber ich will hier liegen!`Aber trotz allem Gelächter! Machen wir es denn jemals anders als einer von diesen Dreien, wenn wir das Wort gebrauchen: ´Ich will`?“

Zu seiner „Morgenröte“, aus der obiges Zitat stammt, schrieb Nietzsche als Motto:

Wer viel einst zu verkünden hat, Schweigt viel in sich hinein: Wer einst den Blitz zu zünden hat, Muß lange – Wolke sein. 

Mir scheint, Schopenhauer ist, trotz aller Berühmtheit, immer noch diese Wolke. Bei Einzelnen hat jedoch der Blitz schon gezündet – wie ich hoffe, auch bei mir.  hb

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11 Gedanken zu “Friedrich Nietzsche : Arthur Schopenhauer

  1. Ich finde das obige Beispiel bezüglich des Themas „Wille“ schlecht, um ehrlich zu sein. Zu sagen „Ich will, dass die Sonne aufgeht.“ ist ein Unterschied zum Beispiel zu „Ich will jetzt diesen Job annehmen.“ oder „Ich will jetzt baden gehen.“ Bezüglich manchem Geschehen hat der Mensch freilich keinen eigenen Willen durchzusetzen, dazu ist er zu klein. Aber zu sagen, dass der Mensch, weil er nicht ALLES beeinflussen kann, ÜBERHAUPT keinen Entschluss aus eigenen Stücken treffen kann, halte ich für eine logisch falsche Schlussfolgerung.

    „Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr“, kann ich so auch nicht unterschreiben, mit einem „oft“ akzeptabel, aber es gibt meiner Meinung nach auch schöne Wahrheiten.

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    1. „…um ehrlich zu sein…“ – genau: um ehrliche Kritik bitte ich Dich!

      Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Nietzsches und Deinen Beispielen besteht: Der Entschluss „Ich will jetzt diesen Job annehmen“ oder „Ich will jetzt baden gehen“ muss nicht unbedingt auf freiem Willen beruhen. Die moderne Forschung zeigt immer deutlicher, dass sehr viele Entscheidungen des Menschen schon in dessen Unterbewusstsein getroffen werden und damit nicht dem freien Willen unterworfen sind, denn dieser setzt bewusste Entscheidungen voraus. Warum soll das nicht auch für die obigen Entschlüsse gelten?

      Außerdem: Nach Schopenhauer ist unser Charakter und damit das Wesentliche unserer Persönlichkeit seit unserer frühen Jugend festgelegt. Wenn wir jetzt vor einer Entscheidung stehen, wie z. B. einen Job anzunehmen oder Baden zu gehen, dann erfolgt die Entscheidung zwangsläufig gemäß unserer Persönlichkeit. Ob wir gern bestimmte Tätigkeiten ausüben oder sie lieber vermeiden, hängt von unseren Neigungen und Abneigungen ab, die in unserer Persönlichkeit angelegt sind. Wenn wir nach Schopenhauer an unseren Persönlichkeitsanlagen selbst nichts willentlich ändern können, haben wir auch die obigen Entscheidungen nicht frei getroffen, sondern sie sind das Ergebnis der Umstände und unserer Persönlichkeitsanlagen.

      Übrigens, ich konnte mich mit dieser Schopenhauerschen Meinung zunächst nur sehr schwer abfinden. Viele spirituelle Übungen und Erziehungsmethoden bezwecken ja, den Menschen zu „bessern“, also seinen Charakter positiv zu ändern. Dazu habe ich etliche Jahre mir gut bekannte Menschen und (was am schwersten ist) auch mich möglichst genau und ohne Wunschdenken beobachtet. Nun muss ich leider Schopenhauer weitgehend Recht geben. Nur wenn es wirklich – wie bei Katastrophen – ums Leben geht, halte ich eine wesentliche Persönlichkeitsänderung für möglich. So wird glaubhaft berichtet, dass sich Menschen durch extreme lebensbedrohliche Erfahrungen (z. B. im Krieg) deutlich und nachhaltig innerlich gewandelt haben. Aber auch solche Wandlungen sind Ergebnis von Umständen und nicht unbedingt eines freien Willens.

      Was die Wahrheit von schönen Worten angeht, so magst Du Recht haben. „Schöne Wahrheiten“ – sind das wirklich „Wahrheiten“? Vielleicht sind es nur Illusionen, die wir entsprechend unserem Wunschdenken für Wahrheit halten? Die erste und damit wichtigste buddhistische Wahrheit lautet: „Leben ist Leiden, die Welt ist leidvoll.“
      Ich habe es immer wieder in buddhistischen Kreisen erlebt, dass die Leute diese Wahrheit nicht hören wollten. Um diese nicht abzuschrecken, wurden dann oft viele schöne Worte gefunden. Wer nur „Wellness“ sucht, ist mit schönen Worten gut bedient. Im Buddhismus geht es aber wie bei Schopenhauer um Erkenntnis der Wahrheit. Sie ist nach den altindischen Weisheitslehren Voraussetzung für Erlösung.

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      1. Gerade in der Philosophie sollte man, finde ich, vorsichtig sein, wenn man die Wissenschaft/ Forschung zu Rate zieht. Regeln und Gesetze, die so mancher früherer Wissenschaftler für absolut und richtig gepriesen hat, haben sich später doch als falsch erwiesen.
        Deswegen stelle ich alles in Frage, auch „neue Forschungsergebnisse“. 😉

        Warum sollte der freie Wille bewusste Entscheidungen voraussetzen? Wenn es mein freier Wille ist, der mich und mein Handeln bestimmt, dann bestimmt er vielleicht sowohl mein Bewusstsein, als auch mein Unterbewusstsein. Woher soll ich aber wissen, ob er das tut, ich denke schließlich mit dem Bewusstsein und was mein Unterbewusstsein so „ausheckt“, das erfahre ich erst, wenn es eine Wirkung zeigt, ich kann es nicht zuvor schon in mein Bewusstsein hervorziehen. Ziemlich vertrackte Angelegenheit, ich weiß nicht, ob ich das, was ich meine, auch so rüberzubringen schaffe…

        Nun, da haben wir wohl etwas gemeinsam, auch ich kann mich einfach mit dieser Meinung Schopenhauers, dass Persönlichkeit unveränderlich (oder zumindest nicht willentlich veränderbar) ist, nicht wirklich abfinden. Aber das Thema hatten wir ja schonmal… Vielleicht ist es wirklich eine Frage der Zeit, Lebenserfahrung und ein bisschen auch der Resignation, ob das von jemandem akzeptiert werden kann oder nicht.

        Der Gedanke, dass jede „schöne Wahrheit“ nur Illusion und Wunschdenken ist, ist aber doch sehr – hm – schwarzmalerisch. Und Hoffnung raubend. Ich kann mir das nicht vorstellen, dass es „nur Leid“ geben soll. Auch im Bezug auf philosophische Wahrheiten halte ich ein Gleichgewicht von Gut und Böse doch für wahrscheinlicher.

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      2. Forschungsergebnisse sind für mich keine letzten Wahrheiten. Dementsprechend stelle auch ich „neue Forschungsergebnisse“ in Frage. Jedoch gehe ich bei meiner Weltsicht nicht nur von meinen, sondern auch von den Beobachtungen anderer (Forschungsergebnisse) aus. Forschungsergebnisse, vorausgesetzt, sie sind seriös, lehne ich dabei nicht von vornherein ab, nur weil sie sich später als falsch erweisen könnten. Ich stimme Dir zu, dass man dabei „vorsichtig“ sein sollte – aber das gilt ja für alle Lebensbereiche.

        „Wenn es mein freier Wille ist, der mich und mein Handeln bestimmt …“ – damit setzt Du etwas voraus, das erst bewiesen werden muss. Es ist ja gerade diese Voraussetzung, die ich (wie Schopenhauer) bestreite. Ob es möglich ist, das Unterbewusstsein, so zu beeinflussen, wie man es möchte, scheint mir mehr als fraglich zu sein. Im übrigen bin ich mir nicht sicher, ob ich ganz verstanden habe, was Du im 2. Absatz Deiner Ausführungen wirklich gemeint hast. Jedenfalls ist das Thema eine „ziemlich vertrackte Angelegenheit“.

        Ich bin nicht der Meinung, dass es „nur Leid“ gibt: Stellen wir uns mal ein Glas voll reinen Wassers vor. Köstlich! Befindet sich aber nur ein Tropfen von Gift in diesem Wasser, so kann dieses Wasser das Gegenteil von köstlich, nämlich tödlich, also völlig ungenießbar sein. Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass es ja zu 99,99% sehr bekömmlich sein würde. Die 0,01% (oder noch weniger) sind entscheidend für die Gesamtbewertung. Schopenhauer hat diesen Gedanken, bezogen auf das Leid, anders formuliert: Auch wenn Tausende in Glück und Wonne leben würden, hebe das nicht das Leid eines einzigen Wesens auf.

        Ich will niemandem Illusionen und damit irgendeine Hoffnung rauben, sondern lediglich denen, die diese Hoffnung nicht (mehr) haben, einen Hinweis auf Schopenhauers Philosophie geben. Es ist einfach eine belegbare Tatsache, dass manche erst über Schopenhauer neue Hoffnung bekommen haben – es ist aber eine Hoffnung anderer Art als Du sie vielleicht meinst.

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      3. Das war als ein „falls“-wenn gemeint in meinem zweiten Absatz.
        Allerdings sagst du da was… „Beweise“ für die eine oder andere Seite gibt es heute noch nicht, das ist momentan noch alles eher eine Glaubensfrage, würde ich sagen. Ich denke, wo du von Wissenschaftlern sprichst, die deiner Meinung sind, gibt es sicherlich auch einige, die diese Ansicht nicht teilen („fünf Ärzte, fünf Diagnosen“). Leider habe ich mich bisher nie mit diesem Thema so intensiv befasst, daher kann ich dir keinen anführen. Aber worauf ich hinaus will: Es sind momentan alles nur Theorien, Denkansätze, Forschungen in den Kinderschuhen – und ich bezweifle, dass ein wirklicher Beweis in absehbarer Zeit erbracht werden kann. Auch nicht von den klügsten Köpfen an den Universitäten.

        „Auch wenn Tausende in Glück und Wonne leben würden, hebe das nicht das Leid eines einzigen Wesens auf.“
        Vielleicht eben doch, wenn daraus ein Gesamtgleichgewicht entsteht. Sicherlich, für die individuelle Person ist das Leid immer noch vorhanden. Aber vielleicht ist die Gesamtheit dadurch ausgewogen worden, eine Art Über-Harmonie wieder hergestellt. (Ich bin mir selber noch nicht wirklich schlüssig darüber, befinde mich eigentlich noch in der Denkphase über dieses Thema, aber ich wollte es doch mal anmerken)

        Die Hoffnung, die Schopenhauer (oder auch der Bhuddismus) uns geben will, ist die, dass man eine Perspektive für das „Danach“ hat, dass alles sich nach unserem Leben zum Guten wendet. Damit habe ich kein Problem, ich finde das eine schöne Aussicht – und ich stimme ja sogar in gewissem Sinne mit ihm überein in diesem Punkt. Aber deswegen das Leben an sich so grau zu sehen, finde ich einfach nicht den richtigen Weg.

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      4. Selbst wenn es ein „Gesamtgleichgewicht“ von Glück und Leid geben sollte, bleibt für meine Beurteilung der Welt das individuelle Leid entscheidend. Beim Anblick des Leidens (z. B. eines Tieres) kann ich mich nicht mit dem Gedanken trösten, dass dadurch vielleicht „die Gesamtheit ausgewogen“ und „eine Art Überharmonie wieder hergestellt“ wird. Das wäre dann, jedenfalls nach meinem Empfinden, eine ganz schreckliche „Harmonie“, die in der Welt herrschen würde. Beim Stierkampf zum Beispiel kann ich mir durchaus vorstellen, dass „die Gesamtheit ausgewogen“ ist, nämlich 10.000 x Freude bei den Zuschauern und 1 x furchtbares Leiden des zu Tode gequälten Stieres. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das für Dich in Ordnung ist. Wie Du angemerkt hast, befindest Du Dich bei diesem Thema noch einer „Denkphase“. Da würde es mich sehr freuen, wenn mein Beitrag Dir dazu einen kleinen Denkanstoß geben könnte. 😉

        Aus vielen Bestätigungen weiß ich, dass Schopenhauer (wie auch der Buddhismus) nicht nur Hoffnung geben „will“, sondern auch tatsächlich vielen Menschen Hoffnung gegeben hat. Die Philosophie Schopenhauers wie auch die aus Indien stammenden Religionen sind in ihrem Kern Erlösungslehren. Sie setzen voraus, dass überhaupt ein Bedürfnis nach Erlösung besteht. Wer diese Welt gut und schön findet, hat keinen Bedarf, von ihr „erlöst“ zu werden. Für den sind z. B. Meditation und Yoga nicht (wie im alten Indien, wo sie entstanden sind) Mittel zur Befreiung aus der leidvollen Welt, sondern „Wellness“-Übungen, um sein Leben noch besser genießen zu können. Übrigens, ich spreche hier nicht aus der Theorie, sondern aus Erfahrung!

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      5. Deine Beiträge geben mir allesamt Denkanstöße, der eine mehr, der andere weniger. Ich muss in letzter Zeit so viel denken wegen dir, dass mir schon der Kopf raucht. 😉

        Dass diese Welt komplett „gut und schön“ ist, ist natürlich Unsinn, allerdings sehe ich sie auch nicht als komplett „leidvoll“. Nur deswegen weil ich auch die zahllosen wunderschönen Dinge sehe und genieße und erlebe, kann ich mir auch des Leides bewusst sein und einen Weg aus diesem Dilemma suchen wollen. Dieses „Leben ist Leid“ ist mir einfach zu „depressiv“. Das Leben IST Leid. Aber es ist auch Glück und gut, zumindest in meinen Augen.

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      6. Ich bestreite keineswegs, dass das Leben auch mit Glück und Freude verbunden sein kann. Wenn ich aber an das Leben insgesamt, an die unzähligen leidenden Wesen dieser Welt denke, dann kann ich das Dasein nicht unbedingt positiv beurteilen. Sowohl Schopenhauer als auch viele andere Weisheitslehren gehen davon aus, dass nach dem Tod neue Existenzen („Wiedergeburten“) folgen. Wenn dem so ist, folgt auch früher oder später das Leid. Wer dieses Leid dann in vollem Umfang „durchleiden“ muss, wird wohl verstehen, worum die Aussage, „Leben ist Leid“ nicht ganz so falsch ist, wie Du vielleicht annimmst.

        Übrigens, auch mir „raucht der Kopf“! Es lohnt sich aber, denn Deine Kommentare sind für mich Denkanstöße und sehr hilfreich. 😉

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  2. Hm, ich finde, dass die Willensfreiheit bei den beiden sehr unterkomplex vorkommt. Beim Willensbegriff der beiden (Weltwille vs dionysischer Wille, was ja nur die affirmative Version vom Weltwillen ist) sind für mich weniger ontologische/propositionale Aussagen, sondenr mehr Kategorien der Lebensphilosophie. Habe dazu selbst einmal etwas verfasst (siehe URL)

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  3. Heinrich Wolf

    Wir sind die Basis einer Pyramide!
    Wir sorgen als Produzenten, Konsumenten, als Kunden und Patienten, als Klienten und als potentielle Delinquenten, für den sich beschleunigenden Strom der Waren, Finanzen und Daten, im Stoffwechsel eines ‚pyramidalen‘ Organismus. Nachdem wir das Ertragsnutzenkalkül eines besinnungslosen Fortschritts im Wachstum verinnerlicht haben, empfinden wir den Raub der Selbstbestimmung und Identität nicht mehr als Verlust. Auf die atomare Einheit der Existenz reduziert, reihen wir uns ein, in die weltweiten Ströme der dynamischen Massen. Dabei steht die Isolation im Nahfeld der Beziehungen, in einem krassen Gegensatz zur Identifikation mit einem globalen Bewußtsein. Über die Instrumentalisierung religiöser Bedürfnisse, werden die Menschen zur Opferung der eigenen Identität gerufen, und zum Dienst für einen allumfassenden Welt-Ethos vorbereitet
    Wer sich nicht von Verschwörungstheorien verwirren lassen will, dem hebt sich mit „Das pyramidale Prinzip 2.0“ von Franz Sternbald der Schleier, und gewährt dem Leser einen unverstellten Blick auf das Wesen des Willens zur Macht! Gleichzeitig ist es ein leidenschaftliches Plädoyer für einen aufgeklärten Glauben, der sich, nach Kierkegaard, auch dem fundamentalen Zweifel stellen muß, sowie die Rettung der Würde des Individuums, gegen die kollektive Vereinnahmung, und seiner Zurichtung für die Zwecke eines globalen Marktes. Hier wird der Versuch unternommen, das Bewußtsein von einem Erlösungsbedürfnis aus der ‚Selbstentzweiung’ des Willens in der Natur zu erklären, und die Selbstentfremdung des Menschen aus seiner ‚Seinsvergessenheit’. Dem überzeugten Christen verschafft die Beschäftigung mit der Analyse des Willens zur Macht von Schopenhauer, über Nietzsche bis Heidegger, ein freieres Auge. Deren Aktualität steht nicht im Widerspruch zu einer christlichen Deutung der Weltgeschichte, sondern liefert vielmehr deren Bestätigung. Liebe Grüße H. Wolf

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