Arthur Schopenhauer : Tod und Trost

Worte von Arthur Schopenhauer, die mir in trüben Stunden schon sehr geholfen haben, und die ich einem Freund mit auf den Weg gab, von dem ich wusste, dass er bald sterben würde:

Wenn das beängstigte Herz sein altes Klagelied anstimmt: „Ich sehe alle Wesen aus dem Nichts entstehn und diesem nach kurzer Frist wieder anheimfallen: auch mein Dasein, jetzt in der Gegenwart, wird bald in ferner Vergangenheit  liegen, und ich werde Nichts sein!“ – so ist die richtige Antwort:

„Bist du nicht da? Hast du sie nicht inne, die kostbare Gegenwart , nach der ihr Kinder der Zeit alle so gierig trachtet, jetzt inne, wirklich inne? Und verstehst du, wie du zu ihr gelangt bist? Kennst du die Wege, die dich zu ihr geführt haben, dass du einsehn könntest, sie würden dir durch den Tod versperrt? 

Ein Dasein deines Selbst, nach der Zerstörung deines Leibes, ist dir seiner Möglichkeit nach unbegreiflich: aber kann es dir unbegreiflicher sein, als dir dein jetziges Dasein ist, und wie du dazu gelangtest? Warum solltest du zweifeln, dass dir die geheimen Wege, die dir zu dieser Gegenwart offenstanden, dir nicht auch zu jeder künftigen offenstehn werden?“  

An diese trostreichen Worte Schopenhauers musste ich denken, als ich kürzlich den von Arthur Schopenhauer hoch verehrten Platon las, und zwar dessen “ Apologie „. Es geht dort um die berühmte Rede, die Sokrates zu seiner Verteidigung vor dem Gerichtshof in Athen hielt. Sokrates sprach dabei in Erwartung seines Todesurteils über den Tod:

Denn den Tod fürchten ist nichts anderes, als sich weise dünken und es doch nicht sein, denn es heißt, sich ein Wissen einzubilden, das man nicht hat. Weiß doch niemand vom Tode, ob er nicht vielleicht für den Menschen das größte aller Güter ist, aber man fürchtet ihn, als ob man wüßte, dass er das größte der Übel sei. Wie aber, wäre dies nicht jene ganz schmähliche Torheit, jener Glaube, zu wissen, was man nicht weiß. 
( Platon, Apologie, Erste Rede. Übertragen von Kurt Hildebrandt)
hb

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4 Gedanken zu “Arthur Schopenhauer : Tod und Trost

    1. „Karma“ bedeutet im Buddhismus nicht nur die „Tat“, sondern mehr noch der „Wille“, welcher die Tat bewirkt. Somit besteht meiner Meinung nach auch ein enger Zuammenhang mit dem „Willen“ im Sinne Schopenhauers. Bei Schopenhauer ist es ein metaphysischer „Wille“, der sich im Willen des einzelnen Individuums äußert und dann als Tat in Erscheinung tritt. Somit wären die „geheimen Wege“, auf denen wir zu unserer Existenz gelangt sind und die uns auch zu neuen Existenzen führen, von diesem metaphysischen Willen bestimmt. Alle unsere Existenzen, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sind nach Schopenhauer lediglich Erscheinungsformen dieses einen „Willens“.

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