Manfred Kyber : Ewigkeit

Am Jahresende gehen die Gedanken in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft: Wie war das alte Jahr, wie wird das neue sein? Gerade bei einer solchen Rück- und Vorschau kann uns bewusst werden, wie vergänglich alles und somit auch unser Leben ist. Was ist da überhaupt ewig?  Ich denke hierbei an das Gedicht „Ewigkeit“ von Manfred Kyber, das ich vor fast 20 Jahren im Rahmen einer kleinen Ansprache auf der Jahresendfeier der Buddhistischen Gesellschaft Berlin vorgetragen hatte. Es ist, wie ich glaube, ganz im Sinne des „Buddhaisten“ Arthur Schopenhauer. Deshalb möchte ich mich hier für dieses Jahr mit den Worten Manfred Kybers, der Dichter und Tierschützer war und dafür 1930 den Welttierschutzpreis erhielt, verabschieden:

Immer wieder und wieder
steigst du hernieder
in der Erde wechselnden Schoß
bis du gelernt im Licht zu lesen,
dass Leben und Sterben eins gewesen
und alle Zeiten zeitenlos.

Bis auch die mühsame Kette der Dinge
zum immer ruhenden Ringe
in dir sich reiht –
in deinem Willen ist Weltenwille,
Stille ist in dir – Stille –
und Ewigkeit.

Allen Freunden und Lesern des Arthur-Schopenhauer-Blogs wünsche ich ein frohes und besinnliches Weihnachten sowie alles Gute im Neuen Jahr!
hb

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Arthur Schopenhauer : Gute Gedanken

Gute und tiefe Gedanken hängen nicht allein vom Zufall ab. Wir können auch etwas dazu tun. Arthur Schopenhauer schrieb hierzu aus eigener Erfahrung:

Gute, ernste Gedanken über würdige Gegenstände, lassen sich jedoch nicht zu jeder Zeit willkürlich heraufbeschwören: Alles was wir tun können ist, ihnen den Weg frei zu halten, durch … Abwendung von allen Flausen und Possen. Man kann daher sagen, daß, um etwas Gescheutes zu denken, das nächste Mittel sei, nichts Abgeschmacktes zu denken. Man lasse den guten Gedanken nur den Plan frei: sie werden kommen. Eben deshalb soll man auch nicht, in jedem unbeschäftigten Augenblick, sogleich nach einem Buche greifen, sondern lasse es doch einmal stille werden im Kopf: dann kann sich leicht etwas Gutes darin erheben.

Es muss stille werden im Kopf, aber wie soll es in uns stille werden, wenn um uns Lärm und Betriebsamkeit sind?  Vielleicht ist es von Zeit zu Zeit angebracht, etwas innezuhalten, mitunter sogar sich etwas zurückzuziehen. Dann haben gute Gedanken ein Chance, in uns zu reifen und schließlich wirksam zu werden. Das kann uns und allen um uns herum mehr helfen als geschäftige Betriebsamkeit, die oft genug nur Hast und Aufgeregtheit ist. Besinnliche Ruhe ist die Quelle guter und tiefer Gedanken. Das wussten alle spirituellen Meister, und so entstand auch Arthur Schopenhauers Philosophie.
hb

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Arthur Schopenhauer : Tod und Nichtsein

Fast alle Menschen fürchten mehr oder weniger den Tod. Warum? Schon vor vielen Jahren fand ich bei Arthur  Schopenhauer dazu eine mich sehr überzeugende Bemerkung:

Wenn, was uns den Tod so schrecklich erscheinen läßt, der Gedanke des Nichtseins wäre, so müßten wir mit gleichem Schauder der Zeit gedenken, da wir noch nicht waren. Denn es ist unumstößlich gewiß, daß das Nichtsein nach dem Tode nicht verschieden sein kann von dem vor der Geburt, folglich auch nicht beklagenswerter. Eine ganze Unendlichkeit ist abgelaufen, als wir noch nicht waren: aber das betrübt uns keineswegs. Hingegen, daß nach dem momentanen Intermezzo eines ephemeren (vorübergehenden) Daseins eine zweite Unendlichkeit folgen sollte, in der wir nicht sein werden, finden wir hart, ja unerträglich. Sollte nun dieser Durst nach Dasein etwa dadurch entstanden sein, daß wir es jetzt gekostet und so gar allerliebst gefunden hätten? Gewiß nicht: Viel eher hätten die gemachten Erfahrungen eine unendliche Sehnsucht nach dem verlorenen Paradiese des Nichtseins erwecken können. Auch wird der Hoffnung der Seelen-Unsterblichkeit allemal die einer „besseren Welt“ angehängt – ein Zeichen, daß die gegenwärtige nicht viel taugt.

Dieser Gedanke Schopenhauers mag zwar überzeugend sein, ist aber dennoch nicht unbedingt tröstlich. Das eigentlich Tröstliche in Schopenhauers Philosophie ist deren Erkenntnis, dass hinter unserer Welt etwas anderes steht, das uns erst zugänglich wird, wenn wir diese Welt hinter uns gelassen haben.  Es lässt sich nicht mit Begriffen unserer Welt beschreiben und deshalb ist das Nichtsein kein absolutes, sondern das Ganz-Andere oder – wie es in dem Schopenhauer nahe stehenden Buddhismus heißt – das Leidlose, das wahre Glück.
hb

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