Arthur Schopenhauer : Gute Gedanken

Gute und tiefe Gedanken hängen nicht allein vom Zufall ab. Wir können auch etwas dazu tun. Arthur Schopenhauer schrieb hierzu aus eigener Erfahrung:

Gute, ernste Gedanken über würdige Gegenstände, lassen sich jedoch nicht zu jeder Zeit willkürlich heraufbeschwören: Alles was wir tun können ist, ihnen den Weg frei zu halten, durch … Abwendung von allen Flausen und Possen. Man kann daher sagen, daß, um etwas Gescheutes zu denken, das nächste Mittel sei, nichts Abgeschmacktes zu denken. Man lasse den guten Gedanken nur den Plan frei: sie werden kommen. Eben deshalb soll man auch nicht, in jedem unbeschäftigten Augenblick, sogleich nach einem Buche greifen, sondern lasse es doch einmal stille werden im Kopf: dann kann sich leicht etwas Gutes darin erheben.

Es muss stille werden im Kopf, aber wie soll es in uns stille werden, wenn um uns Lärm und Betriebsamkeit sind?  Vielleicht ist es von Zeit zu Zeit angebracht, etwas innezuhalten, mitunter sogar sich etwas zurückzuziehen. Dann haben gute Gedanken ein Chance, in uns zu reifen und schließlich wirksam zu werden. Das kann uns und allen um uns herum mehr helfen als geschäftige Betriebsamkeit, die oft genug nur Hast und Aufgeregtheit ist. Besinnliche Ruhe ist die Quelle guter und tiefer Gedanken. Das wussten alle spirituellen Meister, und so entstand auch Arthur Schopenhauers Philosophie.
hb

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9 Gedanken zu “Arthur Schopenhauer : Gute Gedanken

  1. Das sich Zurückziehen kann zu dem führen, was Meister Eckehart „Abgeschiedenheit“ nannte. Ein anderer „spiritueller Meister“, der von Arthur Schopenhauer hoch verehrte Buddha, sagte dazu:

    „Erwirket bei euch,
    dass ihr an der Abgeschiedenheit tiefe Freude gewinnt,
    dass ihr über die Abgeschiedenheit glücklich und froh werdet.

    Wenn ihr so wirket,
    dass ihr an der Abgeschiedenheit stille Freude gewinnt,
    dass ihr über die Abgeschiedenheit glücklich und froh werdet,
    dann wird euch immer wieder der vorwärts bringende Gedanke kommen.“

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    1. Und das tao te king weiß dazu:

      Schaffe Leere bis zum Höchsten!
      Wahre die Stille bis zum Völligsten!
      Alle Dinge mögen sich dann zugleich erheben.
      Ich schaue, wie sie sich wenden.
      Die Dinge in all ihrer Menge,
      ein jedes kehrt zurück zu seiner Wurzel.
      Rückkehr zur Wurzel heißt Stille.

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      1. Das Problematische am Tao Te King ist jedoch, dass dort fast alles hineininterpretiert werden kann. Das Tao Te King weiß alles, kann es aber nur schwer vermitteln. Es ist im echten Sinne esoterisch.

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      2. Deshalb hat für mich das Sprechen über das Tao Te King immer auch etwas Augenzwinkerndes.
        Hinzu kommt: da ich nicht mehr selbst umblättern kann (geschweige denn vor und zurück), lese ich auch nichts mehr, sondern höre nur noch; manches, wie eben das Tao Te King (das es dankenswerterweise Weise zumindest in einer Sprachausgabe gibt) unzählige Male. Das ist ein sehr spezieller Umgang mit so einem Text – aber Interpretation im gedanklichen, intellektuellen Sinne lässt er nicht zu; zumal es ja auch keine Sekundärliteratur auf Hörbüchern gibt. In diesem Sinne verstehe ich also sowieso nichts vom Tao Te King.

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      3. Ohne etwas Augenzwinkerndes über das Tao Te King zu sprechen, geht es wohl nicht. Was wissen wir denn schon?

        „Meine Worte“, so Laotse, „sind sehr leicht zu verstehen, sehr leicht auszuführen. Aber niemand auf Erden kann sie verstehen, kann sie ausführen… Eben dass ich so selten verstanden werde, darauf beruht mein Wert.“

        Hinzu kommt, dass wir auf Übersetzungen angewiesen sind und uns deshalb weitgehend auf die Interpretationen des Übersetzers verlassen müssen. Da kann es aufschlussreich sein, die verschiedenen Übersetzungen zu vergleichen. Auch zum Tao Te King gibt es, soweit mir bekannt ist, inzwischen mehrere Übersetzungen als Hörbücher. Daher nehme ich an, dass Du trotz Deiner schweren Behinderung die Möglichkeit hast, verschiedene Sprachausgaben zu vergleichen und daraus Deine Schlüsse zu ziehen.

        Zum letzten Satz Deines Kommentars möchte ich mit dem Tao Te King antworten:
        „Um sein Nichtwissen wissen ist das Höchste“.

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  2. Oh ja, ich sehe das eigentlich genauso und liebe auch die Zeit, die ich wirklich nur mit mir selbst und meinen Gedanken verbringen kann (zum Beispiel beim Spazierengehen mit dem Hund, in der Natur). Leider klappt das Ganze nicht mehr, wenn ich daheim bin – da würde ich dann nämlich SOFORT einschlafen, wenn ich mich nicht beschäftigte… 😉

    Leider laufen aber heutzutage viel zu viele weiße Kaninchen herum, die ununterbrochen „Keine Zeit! Keine Zeit!“ denken oder sagen und sich sogar davor zu fürchten scheinen, sich mit den EIGENEN Gedanken zu beschäftigen.
    Ein bisschen verständlich ist das aber auch, denn wer selbst anfängt zu denken, kommt manchmal auf Ideen, die das komplette Leben verändern können – und wer will sich schon verändern…

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    1. Wenn Du mit Deinem Hund spazierengehst, in der Natur bist, allein mit Deinen Gedanken, dann geschieht „etwas“ in Dir. Bist Du dann daheim und schläftst sofort ein: Gut so, denn „es“ wirkt in Dir weiter. Eines Tages, vielleicht wenn Du wieder mit Deinem Hund unterwegs bist, kann Dir das, was in Deinem Unterwußtsein fortgewirkt hat, plötzlich bewußt werden. Das ist eine wunderbare Erfahrung, nicht bloß angelesen. Erkenntnisse, die so ganz in uns selbst entstanden sind, geben uns Sicherheit und Lebensorientierung. Sie können das Leben komplett verändern. Vielleicht nicht sofort, aber doch nach und nach. Irgendwie ahnen das viele Menschen, denn gerade das fürchten sie und flüchten so vor sich selbst in das Getöse der Menge. Wir alle, die wir keine Eremiten sind, können der Betriebsamkeit des Alltags nicht ganz entgehen, doch möchte ich dabei nicht das vergeuden, was im Laufe meines Lebens immer wertvoller geworden ist: Zeit für gute Gedanken!

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