Lebensweisheit : Verborgene Wahrheit

Bei Arthur Schopenhauer las ich eine alte Lebensweisheit, die wohl jeder, der mit kritischem Blick unsere Welt betrachtet, bestätigen kann:

Die Wahrheit steckt tief im Brunnen, hat Demokritos gesagt, und die Jahrtausende haben es seufzend wiederholt: aber es ist kein Wunder; wenn man, sobald sie heraus will, ihr auf die Finger schlägt.
hb

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Schopenhauerianer fand Ermutigung

Als in Deutschland um 1840 die ersten Tierschutzvereine entstanden, war Arthur Schopenhauer einer ihrer ersten Mitglieder. Darüber war Schopenhauer mit seiner auch die Tiere einschließenden Philosophie ein geistiger Wegbereiter für die in den letzten Jahrzehnten sich mehr und mehr entfaltende Tierrechtsbewegung. Obwohl Schopenhauer dem Fortschrittsgedanken im allgemeinen eher skeptisch gegenüberstand, glaubte er, dass der Tierschutz eine Zukunft hat. Solche Gedanken gingen mir durch den Sinn, als ich heute das Vegan-Vegetarische Sommerfest besuchte, der auf einem der verkehrsreichsten Plätze in Berlin stattfand. Viele vegetarische bzw. vegane Gruppen und auch Tierschutzvereine sowie die Tierschutzpartei nahmen daran teil. Vor allem fielen mir die vielen jungen Leute auf, die auf mich einen sehr interessierten und engagierten Eindruck machten. Das lässt für die Zukunft hoffen!  Im übrigen traf ich auf diesem Sommerfest manche mir seit Jahren bekannte Mitstreiter aus der Tierrechtsszene. Normalerweise gehe ich Menschenansammlungen aus dem Wege, aber heute waren für mich die menschlichen Begegnungen eine Ermutigung. Ich glaube, Schopenhauer, der ansonsten Menschenmassen meidete, hätte das auch so empfunden. 
hb

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Kirche – teurer Luxus?

Eine längst prophezeite Epoche ist eingetreten: die Kirche wankt, wankt so stark, dass es sich frägt, ob sie den Schwerpunkt wiederfinden werde: denn der Glaube ist abhanden gekommen, stellte schon vor über 150 Jahren Arthur Schopenhauer fest. Die steigende Zahl der Kirchenaustritte scheint Schopenhauers Ansicht zu bestätigen, aber „wankt“ deshalb die Kirche? Ich bezweifele das, denn trotz erheblichen Mitgliederschwundes ist die Kirche in Staat und Gesellschaft überaus einflussreich geblieben. Auch wenn vielen Kirchenmitgliedern der Glaube weitgehend „abhanden gekommen“ ist, so bleiben sie ihrer Kirche als Steuerzahler bzw. über Taufen, kirchliche Trauungen, Beerdigungen usw. verbunden. Vor allem sind die großen Kirchen durch rechtliche Privilegien und erhebliche finanzielle Förderung des Staates bestens abgesichert. Die Kirche muss sich also um ihre Existenz keine Sorgen machen, womit ich natürlich nur die großen „Volkskirchen“ meine. Das Urteil – oder sollte ich besser sagen die Hoffnung – Schopenhauers war wohl verfrüht. 

Wie sehr sich Schopenhauer, was die Zukunft der Kirche angeht, irrte, wurde mir aus einem Artikel der „Berliner Zeitung“ vom 29. Juli 2010 deutlich: Unter der bezeichnenden Überschrift „Segensreiche Pfründe“ meldete die Zeitung, dass die Bundesländer (außer Bremen und Hamburg) in diesem Jahr knapp 460 Millionen Euro Staatsleistungen an die Kirchen abführen müssen. Es sind, wie der Bericht erläuterte, „öffentliche Mittel, die nicht etwa den kirchlichen Sozialeinrichtungen wie der Caritas oder der Diakonie zugute kommen – die werden mit zusätzlichen Milliarden an staatlicher Hilfe betrieben. Auch staatliche Zuschüsse für die Instandhaltung und Restaurierung von Kirchen kommen noch einmal drauf.“  Das in Zeiten knapper öffentlicher Kassen, in denen die Kommunen wegen fehlender Mittel ihre sozialen Aufgaben kaum noch erfüllen können! Doch gibt es dafür eine Rechtfertigung: den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 !!! So muss der Steuerzahler seit mehr als 200 Jahren die damalige Enteignung kirchlicher Güter immer noch ausgleichen.

Auch wenn es die Steuerzahler nicht einsehen, sie werden für den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 weiter zahlen, denn, so die Zeitung, „wie es aussieht, werden die Kirchen auch künftig nichts zu fürchten haben“. Falls die historische Begründung nicht reichen sollte, warnte vorsorglich der CSU-Bundestagsabgeordnete Geis davor, den Kirchen die finanzielle Grundlage zu entziehen, da sie eine stabilisierende Kraft in der Gesellschaft seien. So ist es dann nicht verwunderlich, wenn durch den Staat auch weiterhin das finanzielle Wohlergehen der Kirchen gesichert, ja eigentlich schon fast garantiert wird. Übrigens, für die Kosten der  großzügigen Kirchensubventienierung müssen – zumindest indirekt – alle Steuerzahler aufkommen, also auch die nichtkirchensteuerpflichtigen Andersgläubigen bzw. Atheisten.

Was finanziert eigentlich der Steuerzahler, wenn er die Kirche unterstützen muss? Finanziert er Luxus, d. h., ist die Kirche selbst ein Luxus? Sicher nicht für Kirchengläubige. Die Kirche vermittelt ihnen Religion und hat damit eine wichtige Aufgabe, nämlich – worauf Arthur Schopenhauer besonders hinwies – die Befriedigung metaphysischer Bedürfnisse. Religion ist, so Schopenhauer, Metaphysik fürs Volk und kann deshalb nicht durch bloße Philosophie und schon gar nicht durch materialistische Weltanschauungen ersetzt werden. Verständlich, wenn den Gläubigen ihre Kirche „lieb und teuer“ ist. Gewiss, die Ausgaben der Kirche sind groß, doch frage ich mich: Geht es hierbei wirklich um Gottes Willen oder vielmehr um Gottes Villen?
hb

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