Reichtum und Glück

Wie zur Zeit von Arthur Schopenhauer gibt es auch heute manche Menschen, die, obwohl bereits reich, unbedingt noch reicher werden wollen, und zwar so als wäre  möglichst viel Reichtum für ihr Lebensglück notwendig. Durchaus zutreffend und nach wie vor aktuell schrieb hierzu Schopenhauer in seinen Aphorismen zur Lebensweisheit (Kap. I):

“ Es ist weiser, auf Erhaltung seiner Gesundheit und auf Ausbildung seiner Fähigkeiten, als auf Erwerbung von Reichtum hinzuarbeiten; was jedoch nicht dahin mißdeutet werden darf, daß man den Erwerb des Nötigen und Angemessenen vernachlässigen sollte. Aber eigentlicher Reichtum, d. h. großer Überfluß, vermag wenig zu unserm Glück; daher viele Reiche sich unglücklich fühlen; weil sie ohne eigentliche Geistesbildung, ohne Kenntnisse und deshalb ohne irgendein objektives Interesse, welches sie zu geistiger Beschäftigung befähigen könnte, sind. Denn was der Reichtum über die Befriedigung der wirklichen und natürlichen Bedürfnisse hinaus noch leisten kann, ist von geringem Einfluß auf unser eigentliches Wohlbehagen: vielmehr wird dieses gestört durch die vielen und unvermeidlichen Sorgen, welche die Erhaltung eines großen Besitzes herbeiführt.

Dennoch aber sind die Menschen tausend Mal mehr bemüht, sich Reichtum, als Geistesbildung zu erwerben; während doch ganz gewiß was man ist viel mehr zu unserm Glücke beiträgt, als was man hat. Gar Manchen daher sehn wir, in rastloser Geschäftigkeit, emsig wie die Ameise, vom Morgen bis zum Abend bemüht, den schon vorhandenen Reichtum zu vermehren. Über den engen Gesichtskreis des Bereichs der Mittel hiezu hinaus kennt er nichts: sein Geist ist leer, daher für alles Andere unempfänglich. Die höchsten Genüsse, die geistigen, sind ihm unzugänglich: durch die flüchtigen, sinnlichen, wenig Zeit, aber viel Geld kostenden, die er zwischendurch sich erlaubt, sucht er vergeblich jene andern zu ersetzen. Am Ende seines Lebens hat er dann, als Resultat desselben, wenn das Glück gut war, wirklich einen recht großen Haufen Geld vor sich, welchen noch zu vermehren, oder aber durchzubringen, er jetzt seinen Erben überläßt. Ein solcher, wiewohl mit gar ernsthafter und wichtiger Miene durchgeführter Lebenslauf ist daher ebenso töricht, wie mancher andere, der geradezu die Schellenkappe zum Symbol hatte.“

H.B.

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Durch Einsamkeit zum Glück ?

Einsamkeit ist eine Quelle des Glücks und der Gemütsruhe, schrieb Arthur Schopenhauer in seinen „Aphorismen zur Lebensweisheit“. Manche Menschen, die einsam sind, werden da Schopenhauer kaum zustimmen. Für sie ist Einsamkeit kein Glück. Im Gegenteil, sie fühlen sich unglücklich und suchen – leider oft vergeblich – Gesellschaft.

Jedoch solche ungewollte Einsamkeit hatte Schopenhauer nicht gemeint. Ihm ging es darum, dass Menschen sich ganz bewusst aus dem Trubel und der Geschäftigkeit des Alltags – zumindest vorübergehend – zur Besinnung zurückziehen, denn, so meinte er, „Geistesruhe ist nur in der Einsamkeit zu finden“. Deshalb habe, „wer sich zeitig mit der Einsamkeit befreundet, ja sie lieb gewinnt, eine Goldmine erworben. Aber keineswegs vermag dies jeder“.

Gerade diese zuletzt genannte Einschränkung zeigt, dass Schopenhauer durchaus Realist war. Die Menschen sind von ihrer natürlichen Anlage her sehr unterschiedlich und durch die biologische Evolution eigentlich mehr als Gemeinschaftswesen („Herdentiere“) geprägt. Dennoch gab es schon im Altertum immer wieder Menschen, die sich tiefere Gedanken über ihr Leben und ihre Umwelt machten. Solche Gedanken, die mehr und mehr zu einer Meditation führen können, waren am besten – vielleicht sogar überhaupt nur – in der Abgeschiedenheit, also der Einsamkeit, möglich.

Es geht hier um uralte Erfahrungen, die zum Beispiel im Buddhismus von zentraler Bedeutung sind. Nicht nur der Buddha, auch andere Weisheitslehrer, wie etwa die der altindischen Upanishaden, zogen sich zu spirituellen Übungen in die Einsamkeit zurück. Schopenhauer stand dem Buddhismus und den Lehren der Upanishaden sehr nahe, und schon deshalb ist es verständlich, dass er deren besondere Wertschätzung der Abgeschiedenheit teilte.

Um ermessen zu können, was Einsamkeit an Positivem zu bewirken vermag, sind Lebenserfahrungen notwendig: „Liebe zur Einsamkeit“, so erklärte Schopenhauer, sei „nicht als ursprünglicher Hang“ da, sondern entstehe erst „in Folge der Erfahrung und des Nachdenkens“.

Es sind ja vor allem die Nachdenklichen, die sich nicht dem Zeitgeist unterwerfen und so zum Querdenker werden. Indem sie die Oberflächlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens und das dort weithin verbreitete Anpassertum meiden, geraten sie fast zwangsläufig mehr und mehr in die Einsamkeit, denn wer gegen den Strom schwimmt, schwimmt einsam. Gerade diese Einsamen finden durch die Lebensphilosophie des Querdenkers Arthur Schopenhauer viel Beistand und Ermutigung.
H.B.

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zum > Buddhismus und zu den > Upanishaden (Philosphie des Hinduismus).