Arthur Schopenhauer: Tierrechte

        Zu Arthur Schopenhauers Zeit wurde (wie zuweilen auch heute noch) der Tierschutz von manchen Tierschutzvereinen mit dem Bibelspruch begründet: Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes. Dazu Schopenhauer:

        “Erbarmt” – welch´ ein Ausdruck! Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missetäters , nicht aber eines unschuldigen treuen Tieres, welches oft der Ernährer seines Herren ist und nichts davon hat als spärliches Futter. “Erbarmt!” Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man dem Tiere schuldig, – und bleibt sie meistens schuldig.

          Die von Arthur Schopenhauer geforderte Gerechtigkeit gegenüber Tieren hilft ihnen leider wenig, wenn sie nicht gesetzlich verankert wird, d. h. solange nicht den Tieren eigene, ihrer jeweiligen Art gemäße Rechte auf Leben und Gesundheit zuerkannt werden, bleibt diese Gerechtigkeit nur ein Ideal, das weit, weit von der Wirklichkeit entfernt ist.

      Es gibt zwar inzwischen Tierschutzgesetze, aber sie enthalten keine den Tieren unmittelbar zustehenden Rechte und können sie deshalb nur sehr unzureichend schützen. Massentierhaltung, Tierversuche und andere Quälereien bleiben  weiterhin möglich, ja sie sind zum Teil sogar gesetzlich legitimiert. Nach wie vor sind Tiere, gleichsam wie Sachen, rechtlos, weil – so Schopenhauer:

        Erst wenn jene einfache und über allen Zweifel erhabene Wahrheit, dass die Tiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz das Selbe sind, was wir, ins Volk gedrungen sein wird, werden die Tiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehn.

Obige Worte schrieb Arthur Schopenhauer vor mehr als 160 Jahren. Sie sind höchst aktuell geblieben, denn bis heute sind Tierrechte  weder für die etablierten politischen Parteien, noch für die großen Kirchen und anderen gesellschaftlich relevanten Kräfte ein Thema. Damit sich dieser für unsere Gesellschaft überaus beschämende Zustand ändert, ist noch viel Aufklärungsarbeit erforderlich. Vielleicht kann hierzu – wie ich hoffe – auch Schopenhauers Philosophie, in deren Ethik die Tiere voll einbezogen sind, einen Beitrag leisten.

H.B.

Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie  > hier.

Advertisements

7 Gedanken zu “Arthur Schopenhauer: Tierrechte

  1. Horst Volkhammer

    Da bin ich nicht so zuversichtlich wie A. Schopenhauer, daß diese Wahrheit das Volk durchdringt.
    Unlängst bekam ich von vegan.eu eine Mitteilung über die Einladung der Gnadengemeinde zu Wetzlar zum Lammessen am Gründonnerstag. Hier erübrigt sich wohl jeglicher Kommentar, den ich aber der mit Einladung befaßten Küsterin zukommen lassen habe. Eine Antwort darauf wurde mir bisher nicht zuteil.
    Hoffnungen auf eine demokratisch erwirkte Tierechtsgesetzgebung, die diesen Namen verdient und auch den zu erwartenden Anfeindungen widerstehen kann, teile ich nicht. Das Analogon Energiewende nach Fukushima, zwar administrativ angeordnet, zeigt was nach demokratisch diskutierter Umsetzung davon übrig bleibt. Für solcherart gravierende Eingriffe ist die Demokratie nicht gem(d)acht.

    Gefällt mir

    1. Schopenhauer hatte in dem Zitat die Voraussetzung für Tierrechte genannt, nämlich „Erst wenn …“, Hieraus geht m. E. aber nicht hervor, dass er zuversichtlich gewesen sei, dass diese Voraussetzung erfüllt werden wird. Soweit ich Schopenhauers Einstellung zu „Volkes Meinung“ beurteilen kann, war er wohl in dieser Hinsicht eher skeptisch. Wie die von Ihnen erwähnte Einladung zeigt, ist eine soche Skepsis durchaus berechtigt.

      Was den letzten Absatz Ihres Kommentars betrifft, so kann ich Ihnen nach den vielen Jahren, in denen ich für Tierrechte politisch aktiv war, leider nicht widersprechen. Dennoch möchte ich es aber vermeiden, jüngeren Menschen, die sich aktiv in der Poltik für Tierrechte einsetzen, die Hoffnung auf „eine demokratisch erwirkte Tierrechtsgesetzgebung, die diesen Namen verdient“, zu nehmen.

      Es zeigt sich auch hier, dass man viele Enttäuschungen erlebt haben muss, bis man erkannt hat, wie wahr Schopenhauers Lebensphilosphie ist. Den Trost, den man dann in dieser Philosophie finden kann, liegt in der Metaphysik Schopenhauers , die von einer realistischen und somit nicht schön gefärbten Wahrnehmung des Lebens ausgeht.

      Gefällt mir

  2. Horst Volkhammer

    Es geht ja eigentlich nicht nur um die Verwirkliching der Tierrechte sondern um die gesamte Umweltproblematik, auch der bürgerlichen Rechte, die nach gutdünken von Demokraten gewissenlos benutzt werden um sich entweder heraus zu reden oder in Szene zu setzen; jedenfalls sehr egoistisch wie eben gerade gewollt unter weitgehender Ausschaltung des Intellektes. Um mit Hilfe der Schopenhauerschen Erkenntnisse gegen diese Wucherungen aufzutreten würde ich gern an dieser oder anderer Stelle in Anwendung der Philosophie Schopenhauers mittuen, wohl wissend, daß die hlg. Kuh Demokratie an ihrer Fähigkeit heute und zukünftig drängende Fragen lösen zu können, gemessen werden muß
    Der Natur ist zu ihrem Recht zu verhelfen, kein Demokrat käme doch auf die Idee darüber zu diskutieren ob nicht ein Stein zukünftig nach oben fiele.

    Gefällt mir

    1. Selbstverständlich geht es im Zusammenhang mit Schopenhauer nicht „nur“ um die Verwirklichung von Tierrechten, obwohl ich das für ein sehr dringendes Thema halte. Schopenhauers Philosophie betrifft alle Bereiche des menschlichen Lebens, insbesondere das Verhältnis von Mensch und Umwelt. Schopenhauer war nicht unbedingt ein Anhänger der Demokratie, sondern bevorzugte als Staatsform wohl mehr die konstitutionelle Monarchie. Im übrigen war er auch in dieser Hinsicht an Platon orientiert, der ja nur eine geistige Elite und nicht die Mehrheit des Volkes für die Herrschaft im Staat geeignet hielt.

      Gefällt mir

  3. Horst Volkhammer

    Schopenhauer war nicht nur nicht unbedingt Anhänger der Demokratie, sondern hat sich eindeutig zu den nicht vorhandenen Voraussetzungen geäußert und deshalb demokratische Verhältnisse abgelehnt. Sicher nicht weil er die bis dato waltenden Monarchen in den unterschiedlichen Staatsformen als unersetzbar hielt, dennoch hat er sie als Souverän anerkannt.
    Sein Ausgangspunkt dafür waren die zu vermutenden erblichen und damit auch moralischen Voraussetzungen der betreffenden Personen zur Führung eines solchen Amtes auf Lebenszeit vor dem Hintergrund für das Wohl und Wehe verpflichtet zu sein und auch so zu fühlen.
    Er ist dabei vielleicht auch von sich ausgegangen (Verwaltung des väterlichen Erbes, auch gegenüber Mutter und Schwester) allerdings paßt der Werdegang zu seinem Berufsziel dann wieder nicht.
    Kurzum, es lag ihm wohl daran, daß eine Souveränität installiert wird, die nicht nach gutdünken schaltet und waltet, was dauerhaft bei wechselnden Mehrheiten unbedingt zu erwarten ist.
    Die Natur als d e n Souverän anzuerkennen, war zum damaligen Zeitpunkt mit dem Stand der Wissenschaft so nicht möglich, obwohl es oft in seinen Schriften zum Ausdruck gebracht wurde.

    Bitte die Abweichung vom eigentlichen Thema zu entschuldigen, aber als Anhänger von Schopenhauers Lehre muß Erkanntes auch immer anwendbar sein, um dann auch Zweiflern fundiert begegnen zu können, und würde diese Gedanken auch gern fortsetzen wollen.

    Gefällt mir

    1. Zumindest mittelbar hat obiger Kommentar mit dem eigentlichen Thema zu tun, denn es geht ja m. E. zunächst um die Eingangsfrage, ob und inwieweit Tierrechte in der Demokratie verwirklicht werden können.

      Was die republikanische Staatsform betrifft, war Schopenhauer der Meinung, dass „in Monarchien der Verstand immer noch viel bessere Chancen [habe] gegen seinen unversöhnlichen und allgegenwärtigen Feind, die Dummheit, als in Republiken. Dieser Vorzug aber ist ein großer“ (Parerga II, Zur Rechtslehre und Politik, § 127). Noch deutlicher wurde Schopenhauer an anderer Stelle: „… Das Schlimmste, was einem Staate widerfahren kann, ist, daß die veworfenste Klasse … an´s Ruder kommt“ (Parerga I, Ueber die Universitäts-Philosophie). So war Schopenhauer- wie seine großen Vorbilder Platon und Buddha – ein Aristokrat des Geistes, aber kein Anhänger der Demokratie als beste aller möglichen Staatsformen.

      Im übrigen bin ich auch der Meinung, dass Schopenhauers Lehre als Lebensphilosophie möglichst immer anwendbar sein sollte. Allerdings ist es trotz gut fundierter Argumente nicht immer möglich, Zweifler zu überzeugen, weil auch hierbei der Grundsatz gilt: Keiner ist so blind wie der, welcher nicht sehen w i l l .

      Gefällt mir

  4. Horst Volkhammer

    Worauf gründet eigentlich dieser Ausspruch “Demokratie als beste aller möglichen Staatsformen“? Vielleicht ist auch nur das eingrenzende “bisher“ vergessen worden, denn in heutiger Zeit können alle Beschlüsse größtes Unheil nach sich ziehen. Beschlüsse, die völlig legitim durch demokratisch gewählte Regierungen gefaßt wurden, nur weil es einer Mehrheit gefallen hat auf dem Wahlzettel ein bestimmtes Kreuzchen zu machen.
    Mir fällt dabei immer eine Mutter mit 10 Kindern ein; weil denen alles zu dogmatisch und zu langsam ging hat man die Mutter überstimmt und die Kinderherrschaft eingeführt. Weil sechsen, oder noch mehr, Fleisch so gut schmeckt ….. Die vier anderen waren natürlich die kleinen, dummen, die nicht wußten, daß Fleisch ungeheuer wichtig ist usw. und die Großen müssen das doch wissen und werden es schon richten, die Mutter zahlt es sowieso.
    Man möge diese simple Darstellung entschuldigen, aber es werden sich immer Mehrheiten finden, die einen Befreiungsschlag zur Beibehaltung unseres bequemen, sorglosen Lebensstils unterstützen, selbst wenn ihnen die Augen geöffnet werden. Deshalb ist der (Mutter) Natur wieder zu ihrem Recht zu verhelfen.

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.