Schopenhauer : Wahre Philosophie

Philosophie , schrieb Arthur Schopenhauer , ist eine Erkenntniß vom eigentlichen Wesen dieser Welt, in der wir sind und die in uns ist; eine Erkenntniß davon im Ganzen und Allgemeinen, deren Licht, wenn sie gefaßt ist, nachher auch alles Einzelne, das Jedem im Leben vorkommen mag, beleuchtet und ihm dessen innere Bedeutung aufschließt.(1)

Schon aus diesem Zitat wird deutlich, dass Schopenhauers Philosophie vor allem eine Lebensphilosophie ist. Dementsprechend war für Schopenhauer die Philosophie mehr als eine Wissenschaft, die nur aus bloßen Begriffen besteht.  Sie müsse, so meinte  Schopenhauer, von der anschaulichen Erkenntnis ausgehen, weil diese sei die wirkliche und unerschöpfliche Quelle aller Einsicht. Daher läßt eine wahre Philosophie sich nicht herausspinnen aus bloßen, abstrakten Begriffen; sondern muß gegründet seyn auf Beobachtung und Erfahrung, sowohl innere, als äußere. Auch nicht durch Kombinationsversuche mit Begriffen, […] wird je etwas Rechtes in der Philosophie geleistet werden. Sie muß, so gut wie Kunst und Poesie, ihre Quelle in der anschaulichen Auffassung der Welt haben: auch darf es dabei, so sehr auch der Kopf oben zu bleiben hat, doch nicht so kaltblütig hergehn, daß nicht am Ende der ganze Mensch, mit Herz und Kopf, zur Aktion käme und durch und durch erschüttert würde. Philosophie ist kein Algebra-Exempel.(2)

Seine obige, sehr ansprechende Beschreibung dessen, was Philosophie sei, ergänzte Schopenhauer durch ein Zitat des französischen Philosophen Vauvenargues, das in deutscher Übersetzung lautet: Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen.

Deshalb könnte man wohl mit Arthur Schopenhauer sagen:

Wahre Philosophie kommt aus dem Herzen!

In einem Gespräch mit dem französischen Philosophen Frédéric Morin äußerte sich Schopenhauer 1858, also gegen Ende seines Lebens, was weder wahre noch unwahre, sondern überhaupt keine Philosophie sei:

Eine Philosophie, in der man zwischen den Seiten nicht die Tränen, das Heulen und Zähneklappern und das furchtbare Getöse des gegenseitigen allgemeinen Mordes hört, ist keine Philosophie.(3)

Ja, an Tränen und Heulen über das  Furchtbare in dieser Welt kommt keine Philosophie vorbei, wenn sie wahr ist und somit aus dem Herzen kommt.

H.B.

Zitatquellen:
(1) Arthur Schopenhauer´s Nachlaß. Hrsg. von Eduard Grisebach, 2. Band: Vorlesungen und Abhandlungen. 3. Abdruck, Leipzig o. J. , S. 10.
(2) Arthur Schopenhauer , Zürcher Ausgabe, Werke in zehn Bänden, Band IX: Parerga und Paralipomena II ( Kap. 1, § 9), Zürich 1977, S. 15.
(3) Zit. n. Rüdiger Safranski, Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 453.

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Arthur Schopenhauer : Unterschrift

 

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