Wilhelm Busch und Arthur Schopenhauer

Wer Wilhelm Busch liest, wird vieles entdecken, das – oftmals humoristisch verpackt – in seinem Kern an Arthur Schopenhauer erinnert. Das ist kein Zufall, denn Busch schrieb, dass er sich „mit Leidenschaft und Ausdauer in den Schopenhauer“  vertieft hätte. Doch die „Begeisterung “ hätte dann  „etwas nachgelassen“. So verglich er Schopenhauers Philosophie mit einem Schlüssel. Dieser Schlüssel schien  ihm „wohl zu mancherlei Türen zu passen, in dem verwunschenen Schloß dieser Welt, nur nicht zur Ausgangstür „. Busch machte sich zwar die Ansicht Schopenhauers von der unheilbringenden Gewalt des Lebenswillens, der das ganze  Dasein kennzeichnet, zu eigen, nicht jedoch die andere Seite von Schopenhauers Lehre, nämlich deren Erlösungsgedanken. Da Wilhelm Busch den überaus positiven Kern der Philosophie Schopenhauers, die den indischen Weisheitslehren nahe stehende  Erlösungsmystik,  nicht übernahm, blieb er trotz aller Humoristik letztlich im Pessimismus stecken. Dennoch  sind  die Werke von Wilhelm Busch durchaus auch im Hinblick auf Schopenhauer lesenswert, denn viele Gedanken dort führen zu Arthur Schopenhauer.  Ein Beispiel hierfür könnte  etwa das folgende, zum Nachdenken anregende Gedicht sein:

Bös und Gut

Wie kam ich nur aus jenem Frieden  Ins Weltgetös? Was einst vereint, hat sich geschieden, Und das ist bös.

Nun bin ich nicht geneigt zum Geben, Nun heißt es: Nimm! Ja, ich muß töten, um zu leben, Und das ist schlimm.

Doch eine Sehnsucht blieb zurücke, Die niemals ruht. Sie zieht mich heim zum alten Glücke, Und das ist gut.

hb

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Arthur Schopenhauer : Ist Ethik lehrbar?

Am 26. April 2009 wurde in Berlin in einer Volksabstimmung entschieden, dass das Unterrichtsfach Ethik in den Klassen 7-10 in der bisherigen Form – als Pflichtfach für alle -weiter besteht. Ethik wird somit auch weiterhin an den Berliner Schulen in argumentativem Dialog unterrichtet. Die Initiatoren der Volksabstimmung („Pro Reli“) wollten erreichen, , dass in den Klasenstufen 7-10 die SchülerInnen zwischen den Fächern Ethik und Religion wählen können, also Religion zum Wahlpflichtfach wird. Unabhängig davon, ob Ethik in einem religionsneutralen oder konfessionellen Fach unterrichtet wird, stellt sich die grundsätzliche Frage: Ist Ethik überhaupt lehrbar? Arthur Schopenhauer gab hierzu die Antwort: „Die Tugend geht zwar aus der Erkenntnis hervor, aber nicht aus der abstrakten, durch Worte mitteilbaren. Wäre dieses, so ließe sie sich lehren, und indem wir hier ihr Wesen und die zum Grunde liegende Erkenntnis abstrakt aussprechen, hätten wir jeden, der dies faßt, auch ethisch gebessert. So ist es aber keineswegs. Vielmehr kann man so wenig durch ethische Vorträge oder Predigten einen Tugendhaften zustande bringen, als alle Ästhetiken, von der des Aristoteles an, je einen Dichter gemacht haben.“ So ist laut Schopenhauer Tugend nicht lehrbar, sie ist angeboren. Um tugendhaft zu sein, brauche man keine Ethik gelernt zu haben. Auf die Tugend seien die abstrakten Dogmen ohne Einfluss. Alle Professoren der Ethik könnten nicht einen unedlen Charakter zu einem tugendhaften umformen. Wenn Tugend durch Morallehre verbessert werden könnte, müsste der ältere Teil der Menschheit besser als der jüngere sein.

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