Arthur Schopenhauer : Tod und Nichtsein

Fast alle Menschen fürchten mehr oder weniger den Tod. Warum? Schon vor vielen Jahren fand ich bei Arthur  Schopenhauer dazu eine mich sehr überzeugende Bemerkung:

Wenn, was uns den Tod so schrecklich erscheinen läßt, der Gedanke des Nichtseins wäre, so müßten wir mit gleichem Schauder der Zeit gedenken, da wir noch nicht waren. Denn es ist unumstößlich gewiß, daß das Nichtsein nach dem Tode nicht verschieden sein kann von dem vor der Geburt, folglich auch nicht beklagenswerter. Eine ganze Unendlichkeit ist abgelaufen, als wir noch nicht waren: aber das betrübt uns keineswegs. Hingegen, daß nach dem momentanen Intermezzo eines ephemeren (vorübergehenden) Daseins eine zweite Unendlichkeit folgen sollte, in der wir nicht sein werden, finden wir hart, ja unerträglich. Sollte nun dieser Durst nach Dasein etwa dadurch entstanden sein, daß wir es jetzt gekostet und so gar allerliebst gefunden hätten? Gewiß nicht: Viel eher hätten die gemachten Erfahrungen eine unendliche Sehnsucht nach dem verlorenen Paradiese des Nichtseins erwecken können. Auch wird der Hoffnung der Seelen-Unsterblichkeit allemal die einer „besseren Welt“ angehängt – ein Zeichen, daß die gegenwärtige nicht viel taugt.

Dieser Gedanke Schopenhauers mag zwar überzeugend sein, ist aber dennoch nicht unbedingt tröstlich. Das eigentlich Tröstliche in Schopenhauers Philosophie ist deren Erkenntnis, dass hinter unserer Welt etwas anderes steht, das uns erst zugänglich wird, wenn wir diese Welt hinter uns gelassen haben.  Es lässt sich nicht mit Begriffen unserer Welt beschreiben und deshalb ist das Nichtsein kein absolutes, sondern das Ganz-Andere oder – wie es in dem Schopenhauer nahe stehenden Buddhismus heißt – das Leidlose, das wahre Glück.
hb

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Arthur Schopenhauer und der Dalai Lama über das Glück

Kürzlich schrieb der Dalai Lama in einer TV-Programmzeitschrift über „6 Wege zum inneren Glück“. Hierzu erklärte er: „Ich bin davon überzeugt, dass der eigentliche Sinn unseres Lebens im Streben nach Glück besteht. Unsere Aufgabe besteht daher darin, das abzulegen, was zum Leid führt und das anzunehmen, was uns Glück beschert….Vor jeder Entscheidung sollten wir uns fragen: Wird sie mir Glück bereiten…“.

Ich frage mich, besteht der Sinn unseres Lebens wirklich nur darin, unser Glück anzustreben und bei allen unseren Entscheidung nur danach zu gehen, ob sie uns Glück bereiten, also zu unserem persönlichen Vorteil sind.  Werden wir nicht damit zu „Super-Egoisten“?  Im übrigen brauchen wir dazu kaum Ratschläge des Dalai Lamas, denn  egoistisches Verhalten ist uns mehr oder weniger – wie allen Lebewesen – von der Natur her angeboren.

Arthur Schopenhauer gab in seinen berühmten „Aphorismen zur Lebensweisheit“ ebenfalls  Ratschläge, um „möglichst angenehm und glücklich“ zu leben. Seine Schrift, so erklärte er,  sei eine Anleitung zu einem glücklichen Dasein. Das wäre aber – wie Schopenhauer zutreffend hervorhob – eine Moral, die  auf Eigennutz gestützt ist. Dabei könne es jedoch dauerhaftes Glück nicht geben, da jedem Wunsch nach seiner Befriedigung ein neuer Wunsch folgt.  Zweck des Lebens, so betonte Schopenhauer, sei nicht der, glücklich zu sein.

Schopenhauers „Aphorismen“ sind zwar seine bekannteste Schrift, aber weit bedeutender ist sein Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“.  Dort begründete Schopenhauer eine Philosophie, die der abendländischen Mystik, besonders aber dem in Indien entstandenen Buddhismus nahe steht.  Sie ist in ihrem Kern eine Erlösungslehre, bei der es wie in den Vier Edlen Wahrheiten des Buddha nicht nur um ein vorübergehendes Glück geht.

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