Arthur Schopenhauer über Scheinphilosophen und Seifenblasen

Gerade bei sog. „philosophischen“ Schriften ist es mir schon häufig vorgekommen, dass ich nachher feststellen musste: Es hat sich nicht gelohnt, es war Zeitverschwendung. Statt diese zu lesen, wäre ein Gang in die Natur nicht nur gesünder, sondern auch lehrreicher gewesen.  Die Verfasser derartiger Schriften werden zwar von Verlagen oft als „Philosophen“ vorgestellt, aber sind sie es wirklich oder sind sie nur – wie sie Schopenhauer nannte – „Philosophaster“, also  Scheinphilosophen? Schopenhauer dazu  bissig :

“ Was die Schreiberei unserer Philosophaster so überaus gedankenarm und dadurch marternd langweilig macht, ist zwar im letzten Grunde die Armut ihres Geistes, zunächst aber dieses, daß ihr Vortrag sich durchgängig in höchst abstrakten, allgemein und überaus weiten Begriffen bewegt, daher auch meistens nur in unbestimmten, schwankenden, verblassenen Ausdrücken einherschreitet. Zu diesem … Gange sind sie aber genötigt, weil sie sich hüten müssen, die Erde zu berühren, wo sie, auf das Reale, Bestimmte, Einzelne und Klare stoßend, lauter gefährliche Klippen antreffen würden, an denen ihre Wortdreimaster scheitern könnten.  Denn statt Sinne und Verstand fest und unverwandt zu richten auf die anschaulich vorliegende Welt, auf das eigentlich und wahrhaft Gegebene … – kennen sie nichts als nur die höchsten Abstraktionen wie Sein, Wesen, Werden, Absolutes, Unendliches  usf., gehen schon von diesen aus und bauen daraus Systeme, deren Gehalt zuletzt auf bloße Worte hinausläuft, die also eigentlich nur Seifenblasen sind, eine Weile damit zu spielen, jedoch den Boden der Realität  nicht berühren können, ohne zu platzen.“

Wenn ich auf solche „Schreiberei unserer Philosophaster“ stoße, fällt mir dazu ein Gegenbeispiel ein – Jakob Böhme, der von Schopenhauer hoch geschätzte „erhabene“ deutsche Mystiker. Böhme: „Die Sprache der Natur … das ist die Wurzel oder Mutter aller Sprachen, die in dieser Welt sind, und steht die ganze vollkömmliche Erkenntnis aller Dinge hierinnen.“ Also: „Tue Deine Augen auf, und gehe zu einem Baum, und besinne dich“.

Weiteres zu Arthur Schopenhauer > www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de

 

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