Arthur Schopenhauer : Wirklichkeit oder Einbildung ?

Sehen wir die Welt, wie sie wirklich ist, oder ist das Bild, das wir uns von ihr machen, nur ein Konstrukt unseres Gehirns, also unsere Einbildung?

“ Wirklichkeit,“ so Schopenhauer,  sei im Deutschen eine gute, tiefsinnige Bezeichnung für alles Wirkende. Zu dem hierbei  oft verwendeten  Begriff  „Realität“ meinte Schopenhauer, dass die Quelle aller Realität in unserem Inneren liege. Das, was dort liegt, das letztlich Wirkende, ist nach Schopenhauer ein metaphysischer Wille. Alles in dieser Welt, also auch wir, sind „Objektivationen“ dieses Willens.

Was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, bezeichnete Schopenhauer als  „empirische Realität“. Wie kommt diese zustande? Unsere Sinne nehmen in jedem Augenblick eine gewaltige Fülle von Eindrücken auf. Aus dieser Vielzahl filtert unser Gehirn nur eine kleine Auswahl heraus, nämlich soweit sie für unsere Lebenserhaltung notwendig ist. Das Herausgefilterte wird im Gehirn bewertet und mit Informationen angereichert, die dort bereits (z. B. aus früheren Erfahrungen) gespeichert sind. Somit ergibt sich für uns ein Bild, das heißt, so stellen wir uns diese Welt vor. Daher ist unsere Welt nach Schopenhauer unsere „Vorstellung“.

Inzwischen hat die moderne Hirnforschung in weitgehender Übereinstimmung mit Schopenhauer erwiesen, dass das, was wir für die “ Wirklichkeit “ halten, ein Konstrukt unseres Gehirns ist. Arthur Schopenhauer kam zu diesem Ergebnis nicht durch irgendwelche Experimente, sondern über Kant.  Dieser hatte in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ unter anderem dargelegt, dass die Vorstellung von Raum und Zeit  “ a priori“ , d. h. vor aller Erfahrung,  in unserem Gehirn verankert ist. Unsere Sinneseindrücke werden durch die Denkformen von Zeit und Raum eingeordnet und so in ihrer Vielheit wahrgenommen. Was wir von der Welt wahrnehmen, sind demnach Erscheinungen und nicht das, was hinter ihnen steht. Kant bezeichnete es als „das Ding an sich“. Wir können, wie Kant sehr scharfsinnig begründete, die Dinge nicht so sehen, wie sie „an sich“ sind, sondern nur so, wie sie uns „erscheinen“.

Schopenhauer ging einen wesentlichen Schritt über Kant hinaus, in dem er –  vergleichbar mit den großen  Mystikern – erkannte, dass “ das Ding an sich“ etwas Metaphysisches ist. Schopenhauer nannte es „Wille“ . Er wählte diese Bezeichnung, weil sich dieses eigentlich durch Namen und Begriffe nicht erfassbare Metaphysische am deutlichsten im individuellen Willen jedes Wesens manifestiert.  

So hat Arthur Schopenhauer die Frage, was diese Welt ist, bereits im Titel seines Hauptwerkes beantwortet, nämlich „Wille und Vorstellung“.  Wenn nach Schopenhauer der „Wille“ das Wirkende in der Welt und alles, was wir von dieser Welt als empirische Realität wahrnehmen, unsere „Vorstellung“  ist,   dann wäre wohl die Welt nicht Wirklichkeit oder Einbildung, sondern beides.

Weiteres zu Arthur Schopenhauer > http://www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de

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