Arthur Schopenhauer : Religion – "Lug und Trug"?

Religion ist nicht – wie oft behauptet – bloß eine Privatsache, sondern weit darüber hinaus auch eine Angelegenheit von großer gesellschaftlicher, ja politischer Bedeutung.  Dementsprechend hat in Deutschland Religion Verfassungsrang. Auch Arthur Schopenhauer hatte sich mit dem Thema „Religion“ intensiv auseinander gesetzt und sich hierzu ausführlich geäußert, und zwar besonders im Kapitel 15 von „Pererga II“ („Über Religion“). Dort lässt Schopenhauer in Form eines Dialoges einen „Mann des Volkes“ (Demopheles) mit einem „Freund der Wahrheit“ (Philalethes) über dieses Thema diskutierten.  Hierbei fordert der „Mann des Volkes“,  dass der Glaube jedes Menschen, also die Religion, auch dem „Freund der Wahrheit“ heilig sein solle. Dieser bestreitet das, denn er sehe nicht ein, warum er „der Einfalt des Andern wegen, Respekt vor Lug und Trug haben sollte“. Die Wahrheit hingegen würde er überall achten.

Arthur Schopenhauer hatte damit eine alte Streitfrage aufgeworfen, nämlich Wahrheit gegen Religion oder genauer: gegen „Lug und Trug“, für das er die Religion offenbar hielt. Der von den Religionen erhobenen Forderung, man müsse sie tolerieren, stellt der „Mann der Wahrheit“ die Frage entgegen: „Ziemt es Dem, Toleranz, ja zarte Schonung zu predigen, der die Intoleranz und Schonungslosigkeit selbst ist? Ich rufe Ketzergerichte und Inquisitionen, Religionskriege und Kreuzzüge, Sokrates´ Becher und Bruno´s und Vavini´s Scheiterhaufen zum Zeugen an!“

Eine überaus schwere Anklage, die da Schopenhauer gegen die Religionen erhoben hatte. Dennoch hielt er Religionen nicht für überfüssig. Für ihn war Religion die „Metaphysik des Volks“.  Menschen haben, so Schopenhauer , ein „metaphysisches Bedürfnis“ . Diesem Bedürfnis entsprechen mehr oder weniger die Religionen, denn bei schweren Schicksalsschlägen kann wohl niemand Trost und Kraft im Materialismus finden und das Metaphysische in der Philosophie ist nur wenigen zugänglich.

Gerade was die Religionen angeht, müssen Pauschalurteile vermieden werden. Schopenhauer selbst bezeichnete sich und seine Anhänger als „Buddhaisten“. Dem Buddhismus gab er den Vorzug vor allen anderen Religionen und die altindischen Upanishaden waren der Trost seines Lebens. In diesen uralten indischen Lehren, die wohl mehr Philosophie als Religion sind, fand sich Schopenhauer bestätigt. Es sind Lehren, die Wege zur Selbsterkenntnis und damit zur Erlösung aufzeigen. Die großen, weithin herrschenden monotheistischen  Religionen stehen dazu und damit auch zu Schopenhauer in schroffem Gegensatz.

Dort, wo der Glaube allein selig machend ist, geht es nicht – wie bei Schopenhauer – um ein philosophisches Ergründen der Wahrheit. Entscheidend  ist vielmehr der Glaube, dass das, was in „heiligen Schriften“ offenbart wurde, die Wahrheit sei. Ein Hinterfragen, ob es wirklich die Wahrheit oder doch nur „Lug und Trug“ ist, kann und darf es da nicht geben. Auch hieran zeigt sich, wie berechtigt die Forderung Schopenhauers ist, Philosophie und Religion strikt voneinander zu trennen. Übrigens, „wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten“ (Wilhelm Busch).

Weiteres zu Arthur Schopenhauer : > http://www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de

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6 Gedanken zu “Arthur Schopenhauer : Religion – "Lug und Trug"?

  1. Ich bin seit Längerem der Meinung, dass Religion halt einfach für die Leute gemacht ist (und sie ist in meinen Augen „gemacht“), die kein Interesse daran haben, sich selbst Gedanken über sich und die Welt zu machen, sich wirklich mit dem Thema beschäftigen wollen. Für mich wäre das nichts mehr, einfach eine vorgefertigte Meinung zu übernehmen, obwohl ich sehr christlich erzogen wurde. Ich könnte nicht wirklich dahinter stehen, wenn ich mir meine Lebensansicht nicht selbst erschlossen hätte.
    Und ich denke, das können auch die meisten „Gläubigen“ nicht. Sie picken sich die Rosinen aus dem Kuchen, aber die harte Kruste, an der man etwas zu knabbern hätte, wird beiseite gelegt. Das hat nicht gerade guten Vorbildcharakter – aber wird natürlich trotzdem gerne von den nachfolgenden Generationen Gläubiger übernommen, denn es ist bequem.

    Auch aufgrund dieses Gedankengangs bin ich immer noch im Zwiespalt mit der Vorstellung keinen eigenen Willen zu haben, wie Schopenhauer es behauptet. Das sieht für mich einfach zu sehr nach „Kruste liegen lassen“ aus…

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    1. So etwas wie „Religion“ gab es schon in der Frühzeit der Menschheit. Später entwickelte sich aber daraus in vielen Kulturen eine einflussreiche Priesterkaste mit machtvollen Organisationen, wie z. B. Kirchen. Dessen „Religionsfunktionäre“ lebten dann, was mitunter auch heute noch gilt, weniger für die, als vielmehr von der Religion, und zwar oft sehr gut.

      Schon als Jugendlicher hatte ich das Christentum besonders wegen dessen tierverachtender Einstellung abgelehnt. Mit dem Budddhismus kam ich dann zu einer Religion, die in ihre Ethik auch den Schutz und die Achtung nichtmenschlichen Lebens voll einbezieht. Dort fand ich einen Ausspruch des Buddha, der in der Religionsgeschichte wohl einmalig ist: „Richtet euch nicht nach Heiligen Schriften, sondern was ihr selbst als gut oder schlecht erkannt habt, das nehmt an oder gebt auf.“ Also: Auf die eigene Erkenntnis kommt es an. Nach ihr richte ich mich. Das kann aber durchaus mühsam sein, ja mitunter ist es notwendig, gegen den Strom zu schwimmen.

      Wie Du, so stehe ich nur hinter dem, was ich mir als Lebensansicht selbst erschlossen habe. Das gilt auch für Schopenhauers Lebensphilosophie, die von mir keinswegs blind übernommen wurde. Jedoch fand ich in ihr das, was ich zum großen Teil durch Lebenserfahrung schon selbst gefunden, zumindest erahnt hatte.

      Was die Ethik betrifft, so hat Schopenhauer keine Ethik gepredigt und damit auch keine Ge- und Verbote erlassen, sondern (für mich überzeugend) begründet, dass Mitleid bzw. Mitgefühl die Grundlage für ethisches Verhalten ist. Wer Mitgefühl hat, der handelt, um anderen zu helfen, bzw. unterlässt etwas, um diesen nicht zu schaden. Nur der wird sich darauf berufen, dass er keinen eigenen freien Willen habe, der wegen fehlenden Mitgefühls die Hilfe verweigert und nun glaubt, eine billige Begründung dafür gefunden zu haben.

      Ich sehe es genau so wie Du, dass die „meisten Gläubigen“, sich „die Rosinen aus dem Kuchen“ picken und „die harte Kruste, an der man etwas zu knabbern hätte“, beiseite legen. Das entspricht auch meinen Erfahrungen: Ich habe längere Zeit in einer bekannten buddhistischen Institution ehrenamtlich mitgearbeitet und war auch mehrere Jahre Vorstandsmitglied einer größeren buddhistischen Organisation. Da musste ich feststellen, dass es vielen, vielleicht sogar den meisten Teilnehmern an den dortigen Veranstaltungen mehr um „Wellness“ ging als um den mühsamen Weg spirituellen Fortschritts. So waren manche Teilnehmer, wie ich erfuhr, keine Buddhisten, sondern Christen, die sich etwa durch buddhistische Meditationsseminare teure Besuche bei Psychotherapeuten ersparen wollten. Das ist menschlich und wird deshalb auch immer so bleiben.

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      1. „Nur der wird sich darauf berufen, dass er keinen eigenen freien Willen habe, der wegen fehlenden Mitgefühls die Hilfe verweigert und nun glaubt, eine billige Begründung dafür gefunden zu haben.“

        Ja, aber das ist ja der Punkt – Mitleid und Mitgefühl sind nicht gerade weit verbreitet und einen 100%ig mitfühlenden Menschen wird man selten finden. Und für alle Verfehlungen hat man dann ja immer noch eine Ausrede parat, nämlich gar nicht selber Schuld dran zu sein…

        Grundsätzlich stimme ich dir allerdings bezüglich des Mitgefühls zu, es ist auch meiner Meinung nach die „Grundlage für ethisches Verhalten“. Ich erlebe es gerade momentan selbst und merke, dass ich hier noch viel an mir zu arbeiten habe.

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  2. Gerhard Jeske Ex Diakon Autor Hamburg

    Europa feiert Weihnachten Stimme Russland.
    26.12.013
    Das christliche Abendland ist eine Fata Morgana geworden. Der Anteil gläubiger Christen liegt hier im Norden Deutschlands ungefähr bei 4%. Immer mehr Kirchen werden verkauft und zweckentfremdet. Pastoren und Priestermangel sind offenkundig geworden.
    Diakonissen und Ordensschwestern fehlen.
    Haben sie das noch nicht bemerkt?

    Das christliche Abendland ohne Christen?
    15.12. 13
    Emmaus Gemeinde. Das Adventssingen des Jugendchores fiel aus. Die Sänger erschienen nicht.
    Am 26. 12. sind zwei Gottesdienste in evangelischen Kirchen hier in Hamburg Lurup abgesagt worden.

    Weiterlesen:Russland heute http://german.ruvr.ru/news/2013_12_24/Weihnachtslieder-von-deutschen-Abgeordneten-Nun-singet-und-seid-froh-2700/Weihnachtslieder von deutschen Abgeordneten. „Nun singet und seid froh“

    Dr. Diether Dehm (DIE LINKE), Johannes Selle (CDU/CSU) und Rüdiger Veit (SPD) singen Weinachtslieder im Paul-Löbe-Haus in Berlin.
    Stimme Russlands 25. 122. 13
    Jeske, Heute, 13:17 #
    Gerhard Jeske Hamburg,
    Ob die Herren auch in Auschwitz gesungen hätten,“ Nun danket alle Gott“ oder auf der sinkenden Wilhelm Gustloff mit 7000 Frauen und Kindern an Bord:“ Was Gott tut das ist wohlgetan?“ Die Geistlichen predigen meistens an den Widersprüchen in der realen Welt vorbei.
    Bischof Dibelius wird, mit Foto, in der Envangelischen Zeitung- Norddeutschland08.05.als christliches Beispiel, vorgestellt,dabei war er ab 1920 ein Polenhasser und Kriegstreiber an der Seite der Nazis. Seine Hetzreden führten dazu, dass ich 1945 als Danziger meine Heimat verlor.

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  3. Gerhard Jeske. Copyr. Hamburg
    Kommt der HOMO SAURIER?
    Wer hätte Das gedacht? Da stehe ich in der U-Bahn und bin eingekeilt zwischen zwei Damen und drei Herren. Na und? Was heißt „ Na und?“ Ich kann mich drehen wie ich will, ich sehe nicht mal ein Fenster, Auf Zehenspitzen sich hochzuheben ist vergeblich, denn die mich umringen sind zwischen Einmeter neunzig und zwei Meter groß. Ich erinnere mich, dass damals in Danzig, während einer Geburtstagsfeier der Satz fiel:
    „das ist so ein langer junger Mann von eins achtzig, so ein richtiger großer Lulatsch.
    Der große Kerl war damals eine Ausnahme unter unseren Bekannten. Damit er nicht zu sehr über den grünen Klee gelobt wurde kam die nötige Ergänzung: „Was bedeutet das schon. Der Kant war ein Männchen, aber ein Geistesriese.“
    1971 besuchte ich den Maler Bukowski in Warschau. Er lebte mit einer schwedischen Studentin zusammen. Das war mir neu, dass es so etwa im sozialistischen Land gab. „ Na ja, mit Schweden hatten wir keinen Krieg, deshalb ist unsere Verbindung ganz normal“ sagte er zu mir. Dann sah ich, dass viele junge Leute zu kurze Hosen trugen, die reichten manchmal nur bis zu Knöcheln. „ Wie erklärt sich das“ fragte ich. Zwei Gründe nannte mir Bukowski. 1. Die Menschen wachsen hier zu schnell, oft werden sie 175 – 180 cm groß. 2. Die Planwirtschaft hinkt hinterher. „ Das schnelle Wachsen kommt vom vielen Fleisch essen, die Eiweiß Kost treibt den Geist an und die Leute in die Höhe.“ antwortete die Studentin. Da brauste Bukowski hoch. „ Unsere Leute waren im Mittelmaß und Fleisch hatten wir in Polen immer viel gegessen. Was meinst Du, Gerrad?“ „ Ich denke da kommt ein Bündel zusammen, den größten Anteil hatte wohl die Radioaktive Verstrahlung weltweit dazu beigetragen“ meinte ich. „Von den zwei Atombomben kann es doch nicht herkommen;“ sagte die Studentin. Ich konterte, „ Es sind nicht nur zwei Atom Explosionen gewesen, bis 1970 sind an die 1000 Atomare Versuche, unterirdisch und oberirdisch durchgeführt worden und viele Versuche werden erst gar nicht bekannt gegeben.“
    An dieses Gespräch dachte ich, als ich jetzt im Frühjahr 2014 über die Hafenstraße schlenderte, um einige Fotoaufnahmen zu machen. Was damals mir in Warschau auffiel, ist normal geworden. Jetzt bemerkte ich, dass die Standardgröße zwischen 180cm bis zwei Meter liegt. Mein Jahrgang 1929 mit der Gr0ße zwischen 160-170 cm war nun eine Minderheit geworden. Nehmen wir mal an, dass durch die radioaktive Bestrahlung eine neue Evolution ausgelöst ist. Nehmen wir mal an, dass unser Wachstum nicht aufhört und bald die Damen und Herren 120 cm und noch größer werden, und ein Ende nicht abzusehen ist. Unsere Zivilisation bricht dadurch zusammen. Alle Wohnungen müssen vergrößert werden. Die Krankenhausbetten und die zu Haus sind zu kurz geworden, die Autos gleichen Kleinbussen, und so weiter, Bald schaut auf mich ein Homosaurier von 4 Metern auf mich herab. Das Ende ist nicht abzusehen. So schaffte sich die Menschheit ab.

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  4. Gerhard Jeske Hamburg
    Die Kirche und der Geheimdienst in der BRD.
    Einzelfälle oder System? Gestern und heute?
    .
    Es gibt Themen, die kaum bekannt sind, zum Beispiel diese:
    Ich sollte von der evangelischen Kirche ab 1953 für geheimdienstliche Tätigkeiten eingesetzt werden, Weil ich mich dem entzog, wurde ich später als Diakon aus der evangelischen Brüderschaft entlassen und somit arbeitslos.
    In der NS-Zeit waren ungefähr 80 % Diakone in der SA. Das wurde uns in Rickling, dem Diakonen Seminar nie mitgeteilt, ebenso verschwiegen uns die Älteren Diakone, dass es dort ein kleines KZ-Lager gegeben hatte. Die Verstrickung in den NS-Staat der Brüderschaft und der Evangelischen Kirche in Schleswig Holstein, entdeckte ich alleine. Ab 1953 sollte ich von Hamburg aus in der Ostseestadt Barth-DDR, über Parteimitglieder, die heimlich zur Kirche hielten, Erkundigungen anstellen. Der Pfarrer Biermann riet mir ab, mich darauf einzulassen. Er meinte, dass es ein politischer Auftrag wäre und nichts mit dem Evangelium zu hätte. Weiter sagte er zu mir.“ Wenn das mal rauskommt, komme ich in das Gefängnis, sie leben froh und frei in Hamburg und die westdeutschen Zeitungen schreiben böse “ Wieder wird ein Christ in der DDR verfolgt.“Deshalb lehnte ich den politischen Einsatz, unter dem Deckmantel der Kirche ab, Bleibt zu erwähnen, dass ich wegen meiner Entlassung aus dem Diakonen-Amt mit der Hamburger Bischöfin Frau Maria Jepsen ein klärendes Gespräch führen wollte. Eine Dokumentation hatte ich in der Kanzlei abgegeben, das war im März 2009, Eine Antwort erhielt ich nicht auf meinen Brief, auch nicht, dass er dort angenommen worden war. Am 23.04.09 fand dann ein Gespräch mit der Referenten der Bischöfin statt, ohne ein Ergebnis. Bis heute ist mein Schreiben an die Bischöfin nicht beantwortet worden. Wie es nach 1945 war, so ist es auch jetzt noch. Das große Verschweigen hält an.
    Wie viele Diakone und Pastoren führten in der BRD gegen die DDR geheime politische Aktivitäten aus ? Wann und von wem wird diese Geschichte aufgearbeitet werden? Die Gauk-Behörde wird es bestimmt nicht tun. Und von den weiblichen Pastorinnen und innerkirchlichen Angestellten wird niemand so emanzipiert sein, dass wir eine Person in Aktion wie „ Snowden“ erleben werden. So wird auch meine Akte im Hamburger Archiv, mit den vielen Lügen und Verleumdungen gegen mich, für eine gelegentliche Verwendung benutzt werden.
    Gerhard Jeske, ex Diakon, Autor und Fotograf

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