Zoodirektor – ein Tierfeind?

Wer sich als Tierschützer intensiv mit der Problematik von Zoos auseinandergesetzt hat, weiß, dass diese nicht unbedingt Einrichtungen des Tierschutzes sind. Als Tierrechtler wird man die Zoos ohnehin als Stätten bloßer Zurschaustellung ihrer Freiheit beraubter Tiere ablehnen. So habe ich, was Zoos angeht, schon lange keine Illusionen. Was ich aber in der heutigen „Berliner Zeitung“ unter der Überschrift „Jagd im Tierpark. Staatsanwaltschaft ermittelt wieder gegen Blaszkiewitz“ las, hat mich doch schockiert:

Zoodirektor Blaszkiewitz wurde von Tierschützern angezeigt, weil im Berliner Tierpark Füchse und Kaninchen illegal abgeschossen worden seien.  Der Zoodirektor begründete dies mit dem angeblichen Schutz von Zootieren, was jedoch nach Meinung der zuständigen Behörde auch durch dichte Umzäunung möglich gewesen wäre. Das Verhalten des Zoodirektors, meinte Edmund Haverbeck von der Tierrechtsorganisation Peta, spreche deutlich für dessen tierfeindliche Gesinnung.

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen diesen Zoodirektor ermittelt wird. So wurde er, wie die Zeitung berichtet, bereits 2008  wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Der Zoodirektor hatte im Tierpark junge Katzen durch Genickbruch getötet. Außerdem gab es Anzeigen wegen Verdachtes auf illegale Tierversuche. Auch die Art und Weise, wie er als Zoodirektor Tierhandel betrieb, stieß auf Kritik.

Für mich ist das eine erneute Bestätigung, was ich durch Arthur Schopenhauer ohnerhin schon weiß, nämlich dass Mitgefühl mit Tieren, ja Tierliebe, nicht durch Studium der Veterinärmedizin oder Zoologie erworben wird, sondern diese ethische Einstellung im Charakter des Menschen angelegt ist – oder dort, wie offenbar im obigen Beispiel, fehlt. Derartige Charaktermängel sind nicht durch gut gemeinte Appelle an das Gewissen oder irgendwelche anderen Moralpredigten aufzuheben. Gerade auf Grund solcher Beispiele und nach vielen, mitunter sehr bitteren Lebenserfahrungen muss ich mich leider immer mehr der Auffassung Schopenhauers anschliessen, dass – von Ausnahmen abgesehen – der Charakter eines Menschen im wesentlichen nicht änderbar ist. Was hingegen verändert werden kann, ist das Verhalten eines Menschen, z. B. durch Androhung rechtlicher Sanktionen. Hierzu ist es, soweit mir bekannt ist, im Fall des Zoodirektors (noch?) nicht gekommen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die für den Berliner Zoo Verantwortlichen, dass ein solcher Mann Zoodirektor werden konnte und es immer noch bleiben darf.

Übrigens, nach obigem Zeitungsbericht fiel mir ein, was Gustav Friedrich Wagner in seinem “ Schopenhauer – Register“ unter Hinweis auf Schopenhauers „Schriften zur Naturphilosophie und zur Ethik“ geschrieben hat: „Zoolog, mancher ist nichts weiter als ein Affen-Registrator; man kann ein vollkommener Zoolog und doch ein unwissender Mensch sein.“ Ich glaube, viele Menschen, die mit einem Haustier eng zusammenleben, wissen über Tiere vielleicht weniger als studierte Zoologen, aber das, was sie wissen, ist wesentlicher, denn es betrifft das Wesen des Tieres als Lebewesen.
hb

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6 Gedanken zu “Zoodirektor – ein Tierfeind?

  1. ZOO Berlin ist m. W. eine gemeinnützige AG. Das muss nicht bedeuten, dass es dort wirklich um Tierschutz geht. Wenn Blaszkiewitz Zoodirektor bleibt, muss ich Angst um die Tiere haben!

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  2. Ich bin ein absoluter Gegner jeglicher Art von Zoo.
    Zoos sind unnatürlich und Tierquälerei.
    Kein Wunder, dass ein solcher Mensch dort Direktor wird. Und nein, bei einer Person wie dieser ist wohl – was den Tierrechts-/ -schutzgedanken angeht – Hopfen und Malz verloren.

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    1. Leider denken nicht viele so wie Du (und ich). Da ist noch viel Aufklärung nötig, bis auch der Naivste aufwacht und einsieht, dass Zoos kein Tierparadies, sondern Tierquälerei sind. Was den Zoodirektor angeht, da hilft nur Entlasssung. Ich vermute aber, dass er bei der Rot-Roten Berliner Landesregierung einflussreiche Gönner hat. Auch deshalb finde ich es sehr wichtig, Tierschutzpartei zu wählen.

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  3. Pah, übelstes Schwarz-Weiß denken hier, wenn es um das Ablehnen um Zoos im Allgemeinen geht. Vor allem muss ich wahrlich lachen, wenn es heißt, dass manch einer seine Haustiere besser versteht als ein Zoologe die Tierwelt. Die Realtiät zeigt mir leider etwas anderes: Die gängigen Haustiere werden so oft so grottenschlecht behandelt und gehalten und das von Menschen, die sich selbst als Tierschützer bezeichnen.
    Überhaupt ist diese ganze Tierschutz-Bewegung mir ein Greul. Tiere werden vollkommen vermenschlicht und man kritisiert aus einer emotionalen und keiner kritsch-empirischen Sichtweise. Übel so etwas. Ein solch emotionaler Tierschutz ist alles andere als modern oder zeitgemäß. Was wir brauchen ist ein starker umfassender Naturschutz, der alle Ebenen umfasst. Und keine Tier-Empathen, die dem armen Löwen ansehen, dass er schon „so traurig guckt“.

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    1. Wem überhaupt die „ganze Tierschutz-Bewegung … ein Greul“ ist, und wer dabei auch Empathie, also Mitgefühl, gegenüber Tieren als “ Übel “ ablehnt, kann dem ethisch begründeten Tierschutz nur verständnislos gegenüberstehen. Moderner und zeitgemäßer Tierschutz tendiert immer mehr zur Anerkennung von Tierrechten. Ein Tier- und Naturschutz, bei dem es allein darum geht, Tiere als Ressourcen für menschliche Zwecke, also nur um der Menschen wegen, zu „schützen“, ist mehr und mehr überholt. Gerade wegen ihrer „kritisch-empirischen Sichtweise“, die auch die Augen vor der Massentierhaltung und den Tierversuchen in Rüstungs- und Kosmetikindustrie nicht verschliesst, sind viele Menschen zur Tierschutz- bzw. Tierrechtsbewegung gekommen.

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