Sinnloser Meinungsstreit?

Arthur Schopenhauer: „Man bestreite keines Menschen Meinung; sondern bedenke,   daß wenn man alle Absurditäten, die er glaubt, ihm ausreden wollte, man Methusalems Alter erreichen könnte, ohne damit fertig zu werden.

Auch aller, selbst noch so wohlgemeinter, korrektioneller [zurechtweisender] Bemerkungen soll man, im Gespräche, sich enthalten: denn die Leute zu kränken ist leicht; sie zu bessern schwer, wo nicht unmöglich …

Wer auf die Welt gekommen ist, sie ernstlich und in den wichtigsten Dingen
zu belehren , der kann von Glück sagen, wenn er mit heiler Haut davon kommt.“
(Arthur Schopenhauer , Aphorismen zur Lebensweisheit, 38)

Vor allem wenn ich an manchen Meinungsstreit über politische, religiöse
oder andere weltanschauliche Fragen denke, scheinen mir die obigen Worte
Schopenhauers durchaus berechtigt zu sein.

Auch über Schopenhauers Philosophie ist es mitunter sinnlos zu streiten, denn
oft haben die Kritiker seine Werke kaum gelesen, oder es fehlt ihnen an den für
das Verständnis Schopenhauers notwendigen (leidvollen) Lebenserfahrungen.

Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > dort.


 

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3 Gedanken zu “Sinnloser Meinungsstreit?

  1. Horst Volkhammer

    Dankbar bin ich jeder Meinungsäußerung, die den mainstream hinterfragt und mir das beruhigende Gefühl gibt darin nicht allein zu sein. Ganz besonders, wenn die Äußerung aus berufenem Munde, sozusagen von Personen in verantwortlicher Position, kommt. Nur ist diese Konstellation sehr selten, wohl eigentlich auch nicht zu erwarten, weil selbstmörderisch.
    Nur Ruheständler oder Aussteiger dürfen ungestraft und gelegentlich bewundert solches von sich lassen.
    Mit Erstaunen mußte ich vernehmen, daß auch schon die Jugend auf die “gängige Meinung“ eingeschworen ist, wie die U18 Befragung ergab. Ist das schon Rangelei um vordere Plätze, oder das Ergebnis ganzer Arbeit der Meinungsbildung, auch der Werbung? In der Erinnerung an meine Jugendzeit in der ddr allerdings muß ich allerdings fest stellen, daß es die offizielle Meinung doch recht leicht hatte, weil auch damals schon die Meinung vorherrschte, daß man ja sowieso nichts machen kann. Alles sehr richtig erkannt von A. Schopenhauer mit dem Ding an sich, dem Willen.
    Schade nur, daß mein Erkenntnisprozeß soviel Zeit brauchte.

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    1. Wer Schopenhauers Philosophie vertritt, hinterfragt den mainstream, ja er schwimmt oft gegen den Strom. Es ist wohl kein Zufall, dass – soweit ich das beobachten konnte – unter den sog. „Schopenhauerianern“ viele sind, die nicht den ausgetretenen Pfaden der Mehrheitsmeinung bzw. den jeweils herrschenden Religionen und Ideologien folgen, sondern ihren eigenen Lebensweg gehen. Schopenhauer kann dabei ein sehr zuverlässiger und hilfreicher Lebensbegleiter sein.

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  2. languor

    Ehrlich gesagt vermute ich nicht wie Schopenhauer, dass es ihnen an (leidvollen) Lebenserfahrungen mangelt – viel eher ist es ein Unterschied in der Kompensation des erlebten Leidens. Als nähere Erklärung dazu würde ich sogleich Metaphysik Metaphysik sein lassen und mich in den Stuhl eines Biologen, Epigenetikers usw. setzen. Darum beende ich das hier nachträglich mit einem persönlichen Beispiel: Mein Bruder war 12 und ich muss 5 gewesen sein, als unser Erzeuger kehrt machte und nicht wieder kam. Weiter ging es später damit, dass ich in der Schule gehänselt wurde, wie sicherlich mein Bruder auch, was er anschließend an mir Zuhause ausließ. Das waren zerfleischende Eindrücke, die ich mit ins Grab nehmen werde und die mir die Bahn frei für buddhistisches Erkennen, Schopenhauer, Dr. Helene von Druskowitz und Mainländer, machten – mir – aber nicht meinen Bruder. Er arbeitet als Maler und isst Fleisch, dass sich seine Beine biegen (x). Außerdem handelt er ganz in der Absicht der heutigen Religionen; mehrt sich und hält sich übliches wie Karnickel, Ziegen und Hunde. Jetzt hat er sogar noch Fische … so hoffe ich das Beispiel war leicht verständlich: Er sagt ja, ich nein zum Leben bzw. zum Willen – er hat sein erlebtes Leid wahrscheinlich nicht so stark wie ich empfunden oder falls doch, dann hat er einen gängigeren Weg eingeschlagen, damit umzugehen, im Gegensatz zu mir.

    PS: Mir schwirrt immer wieder im Ohr: „Schopenhauer ist ein Pessimist, rennt weg!“ jetzt nachdem ich seine Werke gelesen habe, muss ich dem Mainstream (Aftergeburt) stark widersprechen.Ja am liebsten lege ich ihn mit zu den negativen Utilitaristen und eben Menschenfreunden von denen es leider sehr wenige gab, gibt und zu unserm Leidwesen geben wird.

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