Arthur Schopenhauer : Freundschaft und Charakter

Kürzlich las ich: Wir haben online inzwischen so viele Freunde, dass wir ein Wort brauchen für die echten. Nur letztere meine ich, wenn ich hier das anspruchsvolle Wort Freundschaft verwende.

Mir kommt da ein Goethe-Wort in den Sinn: Sage mir, mit wem du umgehest, so sage ich dir, wer du bist. Wenn das für unseren Umgang im allgemeinen zutrifft, so gilt das noch mehr für eine der tiefsten Beziehungen, die – abgesehen von der Liebe – zwischen Menschen möglich ist, nämlich für wahre Freundschaft. Solche Freundschaft zu schließen oder sie zu beenden, ist im Leben ein Glücksfall oder  – falls sie zu Ende geht – ein schmerzlicher Verlust. So hängt das Lebensglück mit davon ab, wen man zum Freund wählt. Arthur Schopenhauer, der selbst nur wenige Freunde hatte, schrieb dazu:

Glänzende Eigenschaften des Geistes erwerben Bewunderung, aber nicht Zuneigung. Diese bleibt den moralischen, den Eigenschaften des Charakters vorbehalten. Zu seinem Freunde wird wohl jeder lieber den Redlichen, den Gutmütigen, ja selbst den Gefälligen, Nachgiebigen … wählen als den bloß Geistreichen… Nur wer selbst viel Geist hat, wird den Geistreichen zu seiner Gesellschaft wünschen. Seine Freundschaft hingegen wird sich nach den moralischen Eigenschaften richten, denn auf diesen beruht seine eigentliche Hochschätzung eines Menschen, in welcher ein einziger guter Charakterzug große Mängel des Verstandes bedeckt und auslischt.
hb

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